Die Aufgerollten Autoteppiche. Oder so ähnlich. Anfang 1990 feierte ich Geburtstag und einige meiner Kumpels hatten denjenigen mit dem mutmaßlich innovativsten Musikgeschmack losgejagt, die zusammengelegten Märker in klingende Silberlinge zu verwandeln. Ich glaub, es waren drei CDs, und eine davon die brandneue Maxi-CD »This is how it feels« einer Band, von der ich bis dahin nur gelesen hatte (hey, das war noch vor Internet und Myspace). Mein Erstkontakt mit den Inspiral Carpets, der dazu führte, dass ich mittlerweile fast alle Alben und eine Reihe MaxiCDs mein Eigen nenne. Für mich eine der herausragenden Bands des Madchester-Hypes, die zwar kommerziell nie den großen Durchbruch schaffte, mit zwei sehr hörenswerten Alben (»Life« und »The Beast Inside«) und einigen wunderbaren Songs bis zur Auflösung 1995 aber den Hype ohne Gesichtsverlust überstanden hat. Seit einigen Jahren sind sie sogar wieder zusammen und Touren ganz erfolgreich durch UK.
Da dies hier aber die Serie über Songs aus dem »Mauerfalljahr ’89« ist, kommt hier auch erstmal mit »Move« ein Song von 1989. Großartige Musik. Grenzwertiges Video. Nach dem Klick gibts dann noch mehr…
Auf der Maxi findet sich auch das schöne Remix »Move In«, dass es leider nicht auf die 2003er Compilation »cool as/rare as« geschafft hat.
Maskottchen der Band: Die Kuh mit den Hynpo-Augen. Weitere Kennzeichen: »moo!« als Schlachtruf. »Cow« der Name des (Sub)Labels. »Dung« die Mute-interne Bezeichnung der Singles (wie »Bong« bei Depeche Mode). Breiter Einsatz von Schweineorgel-Sound. Auf dem Falz der frühen CD-Singles finden sich statt oder neben dem Titel kurze Slogans. »Whens plane crash coming out« (Cover zu »Move«) habe ich immer als schräge Bemerkung zum Lockerbie-Flugzeugabsturz 1988 verstanden. Etwas harmloser dann das Motto auf This is how it feels: »Welcome to Mutechester«
Spannend am Brit-Rave à la Manchester ist, dass Party und Inhalt sich nicht unbedingt ausgeschließen mussten. Abfeierhymnen stehen neben tieftraurigen Songs in Tradition der Smiths oder Joy Division – und trotzdem groovt es irgendwie. »This is how it feels« gibt es in zwei Text-Versionen, beide handeln von einer fremdgehenden Ehefrau, einem offenbar prügelnden Ehemann und dem Auseinanderfallen ihrer Familie: »Daddy don’t know what he’s done. Kid’s don’t know what’s wrong with mum…« In der Albumversion wirft der Liebhaber sich vor einen Zug, in der Radioversion geht es weniger blutig zu. Und zwischen allen Stühlen der Nachwuchs.
Wenn man älter wird, erkennt man dann, dass sich »small« fühlen nicht unbedingt eine Frage des Alters ist, Einsamkeit inmitten von Menschen möglich ist, Ohnmacht zu einem Lebensgefühl werden kann. Ein zeitloser Song zu einem zeitlosen Thema.
»This is how it feels to be lonely.
This is how it feels to be small.
This is how it feels
when your word means
nothing at all.«
Nachschlag?
Everybody feels better with security
Speak of a drowning… (Soundtrack 1989)
Everything is gonna burn… (Soundtrack 1989)
Seen live: gut abgehangene Fotos, neu ausgegraben
the ghosts of failures spray-canned up on the wall
Scratch your name on the walls of the cave (Soundtrack 1989)
Wald geht vor die Karpartenhunde




















hallo echo…