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der frühe vogel…

David Garrett, der Hasselhoff der Klassik

David Garrett ist der David Hasselhoff der Klassik.

Hab ich mir nicht ausgedacht, sondern die hier, aber ich fands passend. Besonders diese Stelle gefällt:

Kitsch, so hat es Theodor W. Adorno zu definieren versucht, ist die Vortäuschung nicht vorhandener Gefühle, die zur Neutralisierung des ästhetischen Phänomens führt. So entsteht Kunst, die nicht ernst genommen werden kann, aber dennoch ästhetischen Ernst postuliert. Vom Wunsch getrieben, die Leute dort abzuholen, wo sie stehen, zerstört David Garrett ohne Not musikalische Strukturen, die von den Komponisten ja nicht aus Jux und Dollerei konzipiert wurden.

Ich vermag das nicht fachmännisch zu beurteilen: zu wenig Ahnung von Klassik und auch nicht viel von David Garrett. Hab ihn letztens in einer Talkshow (NDR?) gesehen und gedacht: was für eine fade Gestalt, soviel Schein und Hype und sowenig Persönlichkeit. Fast zwanghaft und unsicher hielt er sich an seiner Stradivari fest und wirkte auch ansonsten nicht besonders bereichernd für die Runde. Überhaupt wirkt mir der gute Mann mit seiner Masche (oder Mission?) zu gewollt.

[Garretts] Optik nämlich entspricht dem üblichen Beuteschema: Das Hemd aufgeknöpft, ein Totenkopfkettchen umgelegt und die Geige lässig über die Schulter geworfen wie eine E-Gitarre. Garretts PR-Agentur, so vermutete jüngst die „Süddeutsche Zeitung“ sei wohl der Meinung, dass die Jugend „nur das wirklich liebt, was sie auch gerne, nun ja, ficken würde“.

Wie ich überhaupt darauf komme? Ronni blog-spottete kürzlich noch über Leute, die mit ihrer Geschichte in SpiegelTV landen – und wurde kurz drauf »Opfer« der »Bild« – ausgerechnet als David Garrett-Fanboy. :wink:

So rein äußerlich-oberflächlich kann man das ja vielleicht noch nachvollziehen, aber nach einigen Live-Clips ist mein Eindruck: man kann mit einer Violine bewaffnet so viel coolere Sachen machen als auf den Pfaden von Garrett und Rieu zu wandeln. Tatsächlich denke ich, beide gehören letztlich in die selbe Schublade: geschmacksneutrales Musik-Recyling, technisch ok, aber ansonsten viel Pomp und Plastik-Pathos. Andre Rieu wirkt in seiner Schmalzigkeit fast noch nen Tacken authentischer.

Gegenentwurf: Nigel Kennedy gilt z.B. nicht nur als einer der weltbesten Klassik-Geiger, sondern rockt auch tatsächlich das Haus, wenn er z.B. mit seinem Quintett auf Tour ist. Siehe sein Album mit Hendrix-Songs. Oder siehe sein letztes Werk »A very nice Album« mit eigenem Material. Der Mann macht nicht nur Musik, der lebt die auch; er spielt nicht nur nach, er zelebriert die Noten. E-Violin plus Effekte macht Elektro-Gitarre überflüssig, es sei denn, man holt sich Jeff Beck auf die Bühne und ‘degradiert’ das Streichteil zu Akustik-Klampfe.

Besonders awesome ist aber folgendes Fundstück, dass mir bei der Suche nach Bildmaterial vorhin in die Finger kam: Nigel Kennedy vs.  Dr. Who-Theme-Song.

Nachschlag?Blogseminar? Ehmmm… Sitzungen? Aber sicher doch… Reinventing Axl Rose? It’s the lie of the century I’ll have to speak to you from a distance because I tend to forget my duty: Hörsturz Runde 31 Alles von Abba in 10 Minuten Please don’t waste my time – and disappear right after the song: Hörsturz Runde 30 Stützungskäufe…

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