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If you find yourself in hell… KEEP RUNNING! – Hörsturz Runde 18

Für jene, die es nicht kennen: der Hörsturz ist ein von Beety organisierter Songcontest, bei dem alle zwei Wochen fünf Lieder ausgelost und von teilnehmenden Bloggern nach Lust und Laune kommentiert und von 0 bis 5 Punkten bewertet werden. Ich bin vor einigen Monaten zufällig nach einer Cover-Blogparade dazugestoßen.

Zu meinem Entzücken hat es mein Vorschlag für die seit gestern laufende Runde 18 in die Hauptauswahl geschafft. Ich bin mal gespannt, ob ich mit mit bairischer Blasmusik bessere Chancen habe als mit den Songs der vergangenen Runden. Andere Hörsturz-Meinungen ziehe ich mir immer erst rein, nachdem ich meinen Beitrag niedergeschrieben habe, entsprechend hoch ist meine Motivation, meine Bewertungen zügig fertig zu haben.

Ein weiteres selbstaufgelegtes Gelübde: ich will mir die Videos (oder whatever in den Youtube-Clips zu sehen ist) zu den Songs erst anschauen, nachdem ich den Song zumindest einmal »pur« gehört habe. Mir ist aufgefallen, wie schnell ich einen Song schon aufgrund des optischen Beiwerkes in eine Schublade vorsortiere. Oft gehört er da auch hin, aber zunächst gehts ja um die Musik und den Song in itself. Der gute Vorsatz für diese und weitere Runden: den Clip erstmal ignorieren – und während der Song läuft, nicht schon Hintergrundinfos googeln.

Als Textfresser-Sonderdisziplin hau ich den Blick auf die Lyrics oben drauf – und damit die Frage, ob ein Song etwas sagen möchte, etwas mitzuteilen oder eine halbwegs gute Geschichte zu erzählen hat. Ist manchmal etwas schwierig, nicht nur bei Instrumentals, sondern wenn Sänger ihre Worte dahinnuscheln und kein Songtext verfügbar ist.

So, genug der Vorrede. Auf geht’s Buam, die Musi kommt…
:play: LaBrassBanda – Autobahn (von dehkah)

Ein Liedchen, das ich auch erst seit drei Wochen kenne. Wieso ich Volkmusikfeind jetzt mit Blasmusik ankomme ist vll. besser Stoff für einen separaten Beitrag. Die Einstiegsdroge war das Instrumental »Brassbanda«, dass es bei den Amazonen als kostenlosen Promotrack gibt, kürzlich hab ich mir dann das ganze Album »Habedieehre« zugelegt, auf dem auch »Autobahn« ist.

Die Umtata-Tuba macht Tempo für ein Liedchen, dass uns in breiten Bayrisch von zwei tragischen Verlusten erzählt: der Protagonist verliert zunächst seinen Job und erwischt dann seine Herzensdame mit dem Nachbarn: »a da wer i dann oiso nimmer braucht«. Also ins Auto, nix wie weg, über den Brenner, dabei die Woche Revue passieren lassen, ab zum Gardasee, wo das ganze Drama seinen Anfang nahm:

»so a woch, werds ihr jetz song, de is ned so furchtbar lang
vui passiern werd da scho ned. i sag: doch«

Auf deutsch: »So eine Woche, werdet ihr jetzt sagen, die ist nicht so furchtbar lang, viel passieren wird da schon nicht. Ich sag: doch!«

Nur Vocals und diverse Gebläse sind am Wirken und der Song ist schon fast halb rum, bis mit Schlagzeug und E-Bass die Non-Brass-Abteilung der Band einsetzt – nach einer kleinen instrumentalen Bridge um 1:20, die man einfach mal auf einer Überlandfahrt im Auto mit entsprechender Lautstärke genießen muß. Großartig. Gänsehaut.

Bei LaBrassBanda spielen fünf junge, studierte Musiker, deren Vorsatz es ist, bayrische Musik nicht in den Bierzelten versauern zu lassen. Die Art und Weise, wie sie das machen, hat sie in meine Heavy Rotation gebracht. Hier und da hört man Vorwissen aus dem Bereich Jazz und lateinamerianischer Musik durch, gängige Labels für ihr Gebräu sind Alpen-Techno und BalkanBrass-Beat, was aber eher in die Irre führt. Im Juni spielen sie auf dem Hurricane in Scheeßel… *vorfreu*

5,0 Gebläse für Fahrtwind im Wohnzimmer

:play: Gloria Cycles – Chancer (von JuliaL49)

Erste spontane Asso-Schublade: Franz Ferdinand, Mando Diao. Markante Gitarren, hoher Textanteil, treibender Takt, eine Prise TexMex-Flair im Heulen der Saiten. Ich tippe trotzdem mal auf britische Wurzeln. Schön und gut, soweit.

Das Video kommt als Trash-Horror-Schocker daher und erzählt uns von ein paar ganz normalen Leuten am Abgrund des – harharharrrr – Todes: twelve steps to hell! Yeah! Ganz großes Tennis. Leider keine Lyrics aufzutreiben.

Selbstaussage der Band: »We don’t take ourselves – or anything else – too seriously. We’ll happily dress up as Mexicans and Cowboys and stick it on Youtube, and we sing about everything from space to saunas.« Sehr sympathische Truppe und ich danke Julia schon mal präventiv (falls mir mehr von dieser Band gefallen sollte) für diesen Vorschlag.

BTW: Gloria Cycles fanden in Brighton, UK zusammen. Treffer. :) Da sie kürzlich auf dem SXSW2010 Festival spielten, gibt es sogar ein legales Download-Häppchen von ihnen im Netz: Gloria Cycles – Chancer (mp3).

4,0 »bitte mehr davon« Punkte

:play: Entertainment For The Braindead – Relapse (von beetFreeQ)

Das fängt schon mal nett und zurückhaltend an: banjolike Gezupfe, leise tröpfelndes Piano, Vocals etwas wie Tori Amos bei Sonnenschein, leiert leicht dahin wie ein Spieluhrliedchen. Kommt zügig an den Punkt, an dem es etwas langatmig werden könnte, aber im Prinzip ist dieses lofi-Geplänkel sehr sympathisch. Leider vermatschen die Vocals dermaßen, dass nur schwer möglich ist, etwas zu vom Text zu erhören. Draussen fällt der Schnee, der Wind rüttelt am Fenster, die Freunde klopfen an und fragen »was machste denn heute«…

»I don’t dare leaving the house tonight.
I don’t care what you say, I’ll will stay inside.
I’ll don’t dare leaving the house this week.
I don’t care what you offer – it’s not what I seek.«

Vieleicht eher ein Retreat in die sicheren vier Wände als ein Relapse? Es sei denn die gute Frau wär schwer soziophob veranlagt, was ich nach der letzten Strophe nicht ganz ausschließen mag. Gut, in diesem Jahr lag auch im Rheinland länger Schnee als sonst, aber nen Jahr in der Bude hocken ist dann doch etwas übertrieben.  

Rheinland? Hinter dem leicht irreführenden, sperrigen Namen verbirgt sich Julia Kotowski aus Köln, die locker in die Abteilung Singer-Songwriter passt und sich selbst auch noch mit dem Label »self-taught« beklebt. Auf Last.fm hat’s diverse Songs als kostenlosen Download. Ihr Plattenlabel hat zwei Livesongs einer Radioshow online gestellt, die tatsächlich nicht mehr sind als ein Mädchen, die Gitarre und ihr Lied. Alles nicht nicht so unglaublich spektakulär, aber durchaus hörenswert.

3,5 Pizzabringdienste für Stubenhocker.

The Beauty of Gemina – Into Black (von Robert)

»Into Black« macht seinem Namen alle Ehre und haut voll in die Melancholie-Kerbe. Ein Pianolauf kriecht ins Gehör und spricht leise »tröste mich«, schmeichelde Streicher pinseln die Flächen in Herbsttönen, blubberndes Kriechgetier auf der Rhythmusspur, Oboen oder Klarinetten setzen hübsche kleine Farbtränentupfer dazwischen, dann und wann ein fast schon zu wuchtiges Schlagzeug. Garantiert synthetisch das Ganze, aber das fällt gar nicht so negativ auf. Jedenfalls nicht negativer als auf… sagen wir mal… »Floodland« von den Sisters of Mercy, beispielsweise. Da gab es ja auch die eine oder andere Pianoballade. Der Sänger könnte gut als Eldrich-Imitator durchgehen, meine erste Asso war aber eher Marian Gold, sozusagen Alphaville in Volkstrauertagsstimmung.

Die Lyrics bieten leider nichts, was man nicht schon mal irgendwie ähnlich gehört hätte. »There is a song in my head, turns this blue(s?) into black…«. Man ahnt, wohin die Reise gehen soll. Obwohl ein durchaus genretypischer und schülerfreundlicher Vokalbelschatz verwendet wird, hat es die Band für nötig befunden, deutsche Untertitel für ihren ‘Official Clip’ anfertigen zu lassen. Das verschandelt nicht nur das eigentlich gefällige Filmchen, sondern beleidigt auch noch mit tendenziösen Übersetzungen: Aus dem »Song« in der oben erwähnten Zeile wird eine »Melodie« und er »wandelt Melancholie in echten Schmerz«. Das tut tatsächlich weh. Ist aber auch egal, weil außer den üblichen diffusen Sehnsuchts/Schmerz/Liebe/Tränen/Depri-Gedankenwelten kommt da nix mehr nach und man erfährt auch nicht, warum der Sänger so doof drauf ist. »Lass Deinen Tränen freien Lauf…«. Stimmt, es ist echt zum Heulen: ein eigentlich ganz nettes Liedchen, durchaus stimmungvoll, versackt völlig im selbstgewählten Cliche.

Schön übrigens das Promofoto vom Header der Bandwebseite: Der weiße Wuschelkopf in der Mitte erinnert mich an die außerirdischen Androiden aus einem Bud-Spencer-Film. Der Typ rechts könnte der dicke Bruder von Weird Al Yancovic sein. Der Dritte im Bunde möglicherweise der nächste James-Bond-Bösewicht.

3,0 Punkte für die gefällige Melodie und das hübsche Arrangement

Emilie Autumn – Dead Is The New Alive (von cimddwc)

Ok, könnte dem Namen nach ein Themesong für so manches sein, was zuletzte so für den Hörsturz vorgeschlagen wurde… :-/

Warmspiel-Gitarrensolo° zum Start, dann blasser Sound mit Vocals sehr weit vorne und im Hingergrund versumpfenden Synth-Bässen. Warum ich jetzt an Taylor Dayne denken muß ist mir selbst rätselhaft, aber irgendwie wirkt das musikalisch bis jetzt ähnlich ernstnehmbar. An hohen Stellen wird dann das Stimmchen plötzlich eher dünn.

Der Youtube-Clip liefert die Lyrics gleich mit. Ich dachte beim ersten Hören ja noch, die meint das ironisch. Fehlanzeige: die meint das vermutlich ernst. Die Sinnlosigkeit des Lebens als Grund, jemanden ewig an sich zu binden ergo in die Kiste Kissen zu bekommen?

»When the obesssion with death becomes a way of life…«
…dann haben wir es zu tun mit Gothic-Emo-Scheiss.

Ich glaub, ich bin zu alt für sowas, dabei hab ich noch nicht mal was gegen »Emo« an sich und mags auch gern melancholisch bis düster, aber doch nicht um einen Lifestyle daraus zu machen oder Lafee-Lookalike zu werden.Versenk mich gleich in Anne Clark, Cure und Joy Division um mich zu vergewissern, dass früher(TM) doch alles besser war. No tears for the creatures of the night… Oder um es mit den Sternen zu sagen: Kein Mitleid für grundlose Autodepression.

°) könnten bei genauerem Hinhören auch Violinen sein; die Frau ist ausgebildete Violinistin.

0,5 Punkte für gefakte Plastik-Emotionen

Durchschnitt: 3,2 Punkte – und das trotz einem Totalausfall. Geht doch :)

Die Bonustracks spare ich mir lieber für einen zweiten Beitrag auf. Der hier hatte schon Überlänge und diese Runde läuft ja noch ne Weile.

3 comments to If you find yourself in hell… KEEP RUNNING! – Hörsturz Runde 18

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