Ein Verteidigungminister findet seine Rolle nicht. Das war mein erster Gedanke, als ich ihn vorhin in den Nachrichten sprechen sah, live vom Flughafen. Noch auf dem Rückweg nach Deutschland von Trauerbesuch Eins, ereilt ihn die Todesnachricht von vier weiteren deutschen Soldaten. Damit hier nichts mißverstanden wird: deren Tod ist tatsächlich schlimm, grausam, traurig.
Guttenberg fällt nichts anderes ein, als unter dem Eindruck der weiteren Toten am liebsten auf dem Absatz kehrt zu machen und den Soldaten in Kunduz beistehen zu wollen. Adel verpflichtet: der Kriegsherr steht seinen Vasallen bei, welch ein schönes Bild.
Fragen: Brauchen Soldaten überhaupt einen Minister, der schnell nochmal zum Händchenhalten vorbei kommt? Oder braucht vielmehr Guttenberg die Nähe zu den Soldaten? Zur eigenen Trauerarbeit?
Oder sogar zur eigenen Imagepflege? Sympahtiepunkte sammeln für die Wahlen, die anstehen?
Egal aus welchen Motiven er momentan handelt: es wirkt nicht souverän, nicht professionell. Das mag man gut finden, weil möglicherweise ein verständlicher, menschlicher Reflex hier den Berufspolitiker und Strahlemann aus der Bahn wirft. Aber von einem Politiker in so einem Amt erwarte ich eigentlich statt Betroffenheitsreflexe: zurück an den Schreibtisch und möglichst schnell mit Ideen und besseren Konzepten zurück kommen. Auch mehr emotionale Distanz. Soldaten töten und Soldaten werden getötet. Damit war zu rechnen. Das muß auch jemandem klar sein, der so ein Amt übernimmt. Möglicherweise ist er ihm emotional doch nicht gewachsen. Wenn ja, wär das menschlich, aber eben nicht gut um der Sache willen.
Oder es ist tatsächlich zunächst einmal: Show. Polittheater.
In dem Zusammenhang fallen mir die zivilen Opfer des Bombardements ein, wegen denen Guttenberg in den nächsten Tagen (?) dem Untersuchungsausschuß Rede und Antwort stehen soll. Solche Niederungen des Parlamentarismus über sich ergehen lassen zu müssen, nachdem man grad sieben Soldaten die letzte Ehre erwiesen und die Truppe betreut hat… – das gibt sicher mildernde Umstände.
Hat sich eigentlich irgendein hochrangiger deutscher Poltiker bei den Überlebenden und Angehörigen der Tanklastzug-Bombadierung sehen lassen? Ich kann mich grad nicht erinnern. Es wird halt mit zweierlei Maß gestorben. Und das ist dem Frieden auch nicht förderlich.
[Bildchen von F!XMBR.]
Nachschlag?
Minister, Minister, care for your children…
The poets turmoil No. 0815
I like Chinese: Bürgerzensur durch Jugendschutz
Wie man in den Wald hineinruft…
drink drink drink & be ill tonight
Fuß ab, Ketchup raus…
Samy stumm im Wunderland


