
(aus: taz vom 19.11.2010)
|
Stress läßt Schüler saufen (Süddeutsche). Meine Rede seit Jahren. Weiterhin viel Spaß mit G8 und so… Warum saufen Leute eigentlich soviel? Das Statistische Bundesamt die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen im Jahr 2008 veröffentlicht. SpOn berichtet heute:
Bei den Erwachsenen sieht das auch nicht viel besser aus: auch da wird mehr gesoffen. Dazu passt die Beobachtung, dass in unserem Heide-Hauptdorf jedes Stadtfest/Weihnachtsmarkt/Heideblüfest/Schützenfest eigentlich nur ein anderer Anlass ist, um Bierbuden aufzubauen und sich gepflegt die Kante zu geben. Bei eigentlich »geprägten« Sachen wie dem Weihnachtsmarkt wurden vor wenigen Jahren die Öffnungszeiten am Abend verlängert: damit die Bierbuden mehr Umsatz machen können. Die kleinen Händler machen ab 18.00 Uhr dicht, aber an den Zapfhähnen ist bis 22.00 Uhr »hoch die Tassen« angesagt. Selbst Feste mit einst eigener Prägung versumpfen nach 20.00 Uhr in Bierseligkeit. Warum sollte der Nachwuchs sich daran kein Vorbild nehmen? – so ist unsere Festkultur! So öde ist sie geworden. Aber natürlich ist vor allem der Jugendbereich der Böse – und schnell kommen Reflexforderungen wie diese:
So sinnvoll Prävention generell ist, so vernüftig Ausweiskontrollen, Aufklärung und dergleichen sind: dem Grund, warum so gerne so viel gesoffen wird, kommt man damit nicht auf die Schliche und wird das Problem so nicht eindämmen können. Meine These: je mehr der Leistungsdruck auf den Einzelnen steigt, je mehr Ventile werden gebraucht, um ihn abzubauen. Alkoholexesse sind ein solches Ventil. Ein schnelles und relativ billiges noch dazu. Ich pronostiziere einen weiteren Anstieg der jugendlichen Alkohol-Komasäufer in den nächsten Jahren. Geht mit dem Turbo-Abi ja grad erst richtig los, aber die 10/11jährigen, die gleich nach der Grundschule beweisen müssen, dass sie die Hoffnungen ihrer Eltern nicht enttäuschen, die haben wir ja jetzt schon (Niedersachsen hat vor kurzem erst die OS abgeschafft). Ganztagsschule verlangt ganztägig ein angepasstes Verhalten. Das schreit nach weiteren Möglichkeiten, die Sau raus zu lassen. Der Druck im Betrieb wird während der Wirtschaftskrise nicht weniger, die Chancen einen halbwegs erfüllenden Job zu bekommen und aus der Beschäftigungsmaßname raus zu kommen, wächst auch nicht. Irgendwo muß man den Frust ja abbauen. Und hey: besser Saufen als Amok laufen, oder? Wie gesagt: meine These. Ich vermute, es gibt noch einige andere Bausteine. Ergänzungen und Widerspruch willkommen. |
||
|
copyright © 2012 textfresser - all rights reserverd - nutzungsbedinungen für fotos |
||