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drink drink drink & be ill tonight

Warum saufen Leute eigentlich soviel? Das Statistische Bundesamt die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen im Jahr 2008 veröffentlicht. SpOn berichtet heute:

Im vergangenen Jahr mussten 25.700 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das sind elf Prozent mehr als 2007. Wirklich alarmierend aber ist der Vergleich mit dem Jahr 2000 – damals waren es nur 9500. Somit hat sich die Zahl der jungen Komasäufer in acht Jahren fast verdreifacht.

Bei den Erwachsenen sieht das auch nicht viel besser aus: auch da wird mehr gesoffen.

Dazu  passt die Beobachtung, dass in unserem Heide-Hauptdorf jedes Stadtfest/Weihnachtsmarkt/Heideblüfest/Schützenfest eigentlich nur ein anderer Anlass ist, um Bierbuden aufzubauen und sich gepflegt die Kante zu geben. Bei eigentlich »geprägten« Sachen wie dem Weihnachtsmarkt wurden vor wenigen Jahren die Öffnungszeiten am Abend verlängert: damit die Bierbuden mehr Umsatz machen können. Die kleinen Händler machen ab 18.00 Uhr dicht, aber an den Zapfhähnen ist bis 22.00 Uhr »hoch die Tassen« angesagt. Selbst Feste mit einst eigener Prägung versumpfen nach 20.00 Uhr in Bierseligkeit. Warum sollte der Nachwuchs sich daran kein Vorbild nehmen? – so ist unsere Festkultur! So öde ist sie geworden.

Aber natürlich ist vor allem der Jugendbereich der Böse – und schnell kommen Reflexforderungen wie diese:

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte entschiedenes Handeln: Gegen das Rauschtrinken der immer größer werdenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen müsse mehr getan werden. [...]
Offenbar reichten die bisherigen Präventionsmaßnahmen aber nicht aus. Notwendig seien Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an allen Alkoholverkaufsstellen. [...] Weiter nötig sind nach ihrer Auffassung eine bessere Alkoholprävention an den Schulen und eine bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung.

So sinnvoll Prävention generell ist, so vernüftig Ausweiskontrollen, Aufklärung und dergleichen sind: dem Grund, warum so gerne so viel gesoffen wird, kommt man damit nicht auf die Schliche und wird das Problem so nicht eindämmen können.

Meine These: je mehr der Leistungsdruck auf den Einzelnen steigt, je mehr Ventile werden gebraucht, um ihn abzubauen. Alkoholexesse sind ein solches Ventil. Ein schnelles und relativ billiges noch dazu. Ich pronostiziere einen weiteren Anstieg der jugendlichen Alkohol-Komasäufer in den nächsten Jahren. Geht mit dem Turbo-Abi ja grad erst richtig los, aber die 10/11jährigen, die gleich nach der Grundschule beweisen müssen, dass sie die Hoffnungen ihrer Eltern nicht enttäuschen, die haben wir ja jetzt schon (Niedersachsen hat vor kurzem erst die OS abgeschafft). Ganztagsschule verlangt ganztägig ein angepasstes Verhalten. Das schreit nach weiteren Möglichkeiten, die Sau raus zu lassen. Der Druck im Betrieb wird während der Wirtschaftskrise nicht weniger, die Chancen einen halbwegs erfüllenden Job zu bekommen und aus der Beschäftigungsmaßname raus zu kommen, wächst auch nicht. Irgendwo muß man den Frust ja abbauen.

Und hey: besser Saufen als Amok laufen, oder?

Wie gesagt: meine These. Ich vermute, es gibt noch einige andere Bausteine. Ergänzungen und Widerspruch willkommen.

Amok in der Heide? Hä?

Würde es nach den Suchanfragen gehen, die heute reingekommen sind, hat’s die Tage in (der) Heide einen Amoklauf gegeben. Ich hoffe nicht…

Ist irgendwas passiert, von dem ich nichts mitbekommen habe? Oder geht es um den Vorfall in Bergkamen (Heide-Schule) im November? Ich bin verwirrt…

Ansonsten sehr populär in den letzten Wochen: »Either way I think you know« – offenbar sind divese Leute auf der Suche nach dem neuen Album von Minor Majority. Aber hier im Blog steht ja auch schon die Antwort: bis Januar warten – oder (so wie ich) direkt in Skandinavien bestellen.

Gut im Rennen unter den Suchbegriffen: alles, was mit der (abgeblasenen) NPD-Demo und Antifa-Gegendemo in Buchholz zu tun hatte.

Irgendwo zwischen skuril und erschreckend weitere Einzelhits… weiterlesen…

Kurz vor Sendeschluss...

… noch etwas Hagen Rether:

Die Amokläufer von Erfurt und Winnenden haben wir zähneknirschend und mit Wut im Bauch begraben. Nicht auszudenken, wenn das irgendso’n 15jähriger Ali oder Machmut gewesen wäre – dann hätten aber die Dönerbuden gebrannt…

So ist's in der Schule...

Ist man erstmal selber raus, fällt es schwer, sich vorzustellen, wie Schule sich von Innen anfühlt. Sei es für Schüler oder auch für die hauptamtliche Belegschaft. Ich hab ja nun regelmäßig mit beiden Seiten zu tun, aber Blogs wie das von Frau Freitag sind eine Horizonterweiterung.

»Wahrscheinlich haben wir – besonders an Schulen wie unserer – einfach die falsche Idealschülerschaft vor Augen. Wir gehen immer von Standarts aus, die wir einfach mal vergessen sollten. Der ideale Schüler ist bei uns ein heiliger Allesmitmacher, den es wahrscheinlich nicht mal an den elitärsten Gymnasien gibt. Wir (ich auch) sollten einfach mal anfangen die Schüler so zu sehen, wie sie sind und uns dann überlegen, wie wir sie am besten auf ihr späteres Leben vorbereiten können. (…)
Ach, theoretisch ist das doch alles ganz einfach, aber in ein paar Stunden stehe ich selbst wieder vor irgendeiner Klasse und rege mich darüber auf, dass sie keine Hausaufgaben gemacht haben.« (Frau Freitag: Nicht alle sind Hirntote)

Ihre Zeilen zum »Amoklauf« in Anspach sollte man allen vor die Stirn tackern, die über Schulpolitik und Jugendschutz entscheiden:  »Die laufen doch nicht Amok, weil sie Counterstrike spielen, sondern, weil ihre Mitschüler sie jahrelang quälen und im besten Fall ignorieren. Und dann kommen die auch noch ins Fernsehen und sagen da:“ Er war eigentlich immer alleine.“ „Er war nie mit anderen zusammen und er hatte keine Freunde.“«

Schule ist ein seltsamer Ort. Völlig unerklärlich, warum so viele Leute denken, es würde besser werden, wenn Schüler und Lehrer zukünftig den ganzen Tag zusammen verbringen sollen. weiterlesen…