Das halbrunde Gedenken zum 65. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung hat (zumindest in meiner Wahrnehmung, d.h. auch bei mir) mal wieder eine Opfergruppe aus dem Fokus geraten lassen, die bei solchen Anlässen gerne mal vergessen oder verdrängt wird.
Das Judentum ist leider infolge des Holocausts hierzulande kaum noch im Alltag präsent (jedenfalls in der Fläche nicht; in manchen großen Städten mag das anders aussehen) – ob dadurch das Gedenken einfacher fällt, weil man den Nachkommen der Opfer nicht täglich über den Weg läuft? Auch Sinti und Roma scheinen weit weg. Schwule und Lesben müssen sich – gottseidank – im Alltag meistens nicht mehr verstecken, ihre Diskriminierung ist letztlich aber immer noch nicht überwunden. Vielleicht stehen sie auch deshalb in der Holocaust-Erinnerungskultur – trotz eigenem Mahnmal – weiterhin eher am Rande.
Samstag ist ein guter Tag war vorgestern am Mahnmal und erinnert an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.
Während draussen leise der Schnee rieselt, mach ich mich mal dran, die 5 Songs der laufenden Hörsturz-Runde zu begutachten. Insgesamt der zwölfte Durchgang, für mich der zweite Lauf.
Möchte mir das jetzt gefallen oder eher nicht? Kann mich nicht entscheiden. Witziges Liedchen, irgendwie, aber auch ziemlich wirr, sowohl optisch als auch musikalisch. Faszinierend, aber ich merk auch, wie’s mir auf die Nerven geht. Ich sag mal: 3 Points
Wieder mal so eine Band, von der ich bisher nur gelesen hab. Schon der Name schreckt ab. Wer macht sich bitte freiwillig namensgleich mit einem absolut grausamen Song der an sich nur schwer ertragbaren AC/DC?
Fängt auch irgendwie aufdringlich uninspirert an. Sedierte Scissor Sisters? Spätestens beim Refrain mit Toaster war es dann zu spät: Refrain des Tages. Definitv der beste Song dieser Runde. Ich befürchte, ich werde mir das dazugehörige Album gekauft haben, bevor ich diesen Beitrag fertig habe. 4,5 Punkte
Musste den ganzen Song lang mit mir kämpfen, ihn nicht abzustellen. Musikalisch ja ganz nett, könnte gefallen. Textlich? »Anita ging nicht mit den anderen ins Gas.« Weil Anita offenbar zum Lagerorchester gehört, die es ja tatsächlich in diversen KZs gegeben hat. Esther Bejarano hat im Orchester in Ausschwitz gespielt und so überlebt. Zwei Konzerte hat sie in den letzten Jahren in Heideblüten-City gegeben, vor fünf Jahren hab ich mit ihr ein paar Worte wechseln können; im letzten Jahr war die Anti-Rechts-Initiative, in der ich sporadisch aktiv bin, Mitveranstalter. Vor dem Leben dieser Frau kann man eigentlich nur den Hut ziehen: Respekt.
»Anita spielt täglich dem Teufel ein Lied« – und je länger ich zuhöre, je mehr habe ich das Bedürfnis, dem Sänger richtig in die Fresse zu hauen. Ich bin ansonsten ein sehr friedliebender Mensch. Hier aber werd ich das Gefühl nicht los, dass da jemand dieses Lied und diese Geschichte genüsslich zelebriert, um sich in diesem Pathos zu suhlen, sich an Vorstellung, wie es eine Seele zerreißt, an der Todesangst, den Schuldgefühlen und an diesem Elend, aufzugeilen. Widerlich, krank – und eine Verhöhnung der Menschen, die ähnliches tatsächlich durchlebt haben. 0 Punkte
Runrig haben einige sehr schöne Songs geschrieben. Dieser gehört nicht dazu. Völlig uninspiriert, plätschert belanglos dahin. Wo Runrig-Songs normalerweise nochmal durchstarten, hört dieser einfach auf. Ist vielleicht auch besser so. Wenn man die Geschwindigkeit etwas hochpitcht, kommt vermutlich »A Dance called America« bei raus. Das hätte sicher 3-4 Punkte abgeräumt. Aber dieser? Weils Runrig ist: 1,5 Punkte
Wäre er nicht kürzlich verstorben und in diesem Zusammenhang durch diverse Blogs gereicht worden, hätte ich ihn vermutlich nicht wirklich wahrgenommen. Nun taucht er hier mit einem Song auf, der gut hörbar und mächtig »bittersweet« ist. Voll mit Traurigkeit, zu viel, um es häufiger hören zu wollen. Oder halt für sehr spezielle Stunden, in denen man sich genauso fühlt. 3 Punkte.
Durchschnitt von 2,4 ist nicht so dolle. Aber bei anderthalb Totalausfällen auch nicht verwunderlich.
Für die nächste Runde ist vorgeschlagen, das jede/r einen Song einer Band aus dem eigenen lokalen Umfeld vorschlägt. Eigentlich eine gute Idee. Kann man Songs im Myspace-Player direkt verlinken? Dann hätt ich was.
[Update] Es wären einige Bands in die Auswahl gekommen, mal abgesehen von Klaus Lage, der auch Kind dieser Stadt ist, aber ich wollte dann doch was nehmen, dass ich auch selber gerne höre. Mein Vorschlag sind deshalb: Die Stiele aus Heideblüten-City. »Das Blatt« ist leicht absurd, eingängig und hat es im letzten Jahr geschafft, auf Platz eins meiner 12-Monats-last.fm-Charts zu kommen.