Und wenn Du denkst, es geht nix mehr…
Gestern große Demonstration der Opposition in Ägypten, aber das System macht nur kleine Gesten und im großen und ganzen weiter wie bisher. Es fehlt die Macht. Noch ist nichts gewonnen, Mubarak will nicht gehen, die Armee will ihn offenbar nicht stürzen. Den Tahrir Square mag die Bewegung offenbar nicht aufgeben – er ist in der letzten Woche zum weltweiten Symbol geworden. Vielleicht ist man auch deswegen weder Dienstag noch Gestern zum Präsidentenpalast gezogen.
Aber wie soll es weitergehen? Wie viele Tage will (kann) man den Platz noch halten. Wie lange reicht die Kraft noch? Vielleicht reicht schon ein Tag Regenwetter, um die Platz-Halter zu vertreiben. Und dann? Eigentlich ist es unvermeidbar, dass man sich von der Platzbesetzung verabschiedet und zu anderen Formen übergeht.
Gerade twitterte es, die Kopten Christen in Ägypten° hätten eine gute Idee: christliche Open-Air-Messe auf dem Tahrir am Sonntag. Das ist umso interessanter, da die Anschläge auf eine koptische Kirche Anfang Januar, die Reaktion der Polizei darauf und der folgende, überraschende Schulterschluss zwischen Christen und Moslems nicht ganz unschuldig an der jetzigen Situation sein dürften.
Man wird vermutlich Gründe finden müssen, einen Termin, einen Anlass, um regelmäßig auf die Straße zu kommen, um die Dynamik der letzten Tage zu retten, den Geist nicht schlicht verpuffen zu lassen. Freitagsgebet und Sonntagsmesse, anschließend jeweils gemeinsame Demo. Sounds like a plan?
Remember Hebst 1989, Leipzig: Die Montagsdemos, die ab Septembember im Anschluß an das Montagsgebet in der Nikolai-Kirche begannen. 3 Monate später war die Mauer weg. Steter Tropfen höhlt den Stein und so…
Update:
°) Ich las gerade, dass vor allem ägyptische Protestanten (»Protestant Asr El-Dubara Church«) zur heutigen Messe bzw. Gebet auf den Tahrir SQ gerufen hatte, hingegen Vertreter der altehrwürdigen Koptischen Kirche ihre Anhänger aufforderten, sich nicht zu beteiligen. Das scheint aber weder koptische noch andere Christen abgehalten zu haben, gemeinsam mit Moslems das Vater Unser zu beten. Mehr dazu in diesem Bericht…
Bevor ein falscher Eindruck entsteht: mir ist klar, dass auch viele säkulare Leute demonstrieren. Aber wenn es gelänge, in Ägypten nicht nur Mubarak zu stürzen, Demokratie einzuführen, sondern auch noch ein dauerhaftes Beispiel für religiöse Toleranz und friedliche Koexistenz im Nahen Osten zu setzen: how great would that be?






