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quartalsplatten

der frühe vogel…

Verlinktes aus dem Land der Pyramiden

Eine Menge Ägypten-Content dieser Tage, aber das ist momentan das Thema, was mich ganz stark interessiert und fasziniert. Auf die Schnelle ein paar gesammelte Links des Tages…

  • Der Song vom Tahrir Square ist tatsächlich von Ramy Essam. Jemand hat sich die Mühe gemacht und eine Version mit englischen Untertiteln gebastelt.
  • Twitter fand ich bis jetzt relativ unnütz, aber seit letztem Wochenende bin ich auch dabei, zunächst vor allem, um die Informationslücken zu schließen, die das deutsche Fernsehen nicht schließen konnte, dann aber süchtig geworden, weil man unmittelbare, subjektive, schnelle Informationen live vor Ort bekommt. ‘Subjektiv’ ist sogar ein Vorteil, wenn man sich klar macht, dass auch andere Medien nicht wirklich objektiv berichten, selbst wenn sie sich alle Mühe geben. Eine Ehre, so dicht an dem dran sein zu dürfen. Ob ich für mich selbst eine brauchbare Twitter-Anwendung finden kann, ist fast unwichtig.
  • Via Twitter bin ich auf Sandmonkey’s Blog gestossen, einer der Demonstranten aus Cairo. Er stellte heute offen die Frage, wie die Proteste weitergehen sollten und was die nächsten Schritte sein könnten: »The Way Forward«. Ich bin gespannt, wann man ihn außerhalb des Netzes zu sehen oder lesen bekommt.
  • Ein weiteres Polit- (oder Show-?) Talent in spe? :wink:
  • Gestern bin ich über den Flickr-Photostream von Sarah Carr gestolpert. Ihre Bilder berichten vom Vorlauf der aktuellen Ereignisse, den Demonstrationen der vergangen Wochen und Monate, zurückreichend bis zu einem Eisenbahnerstreik im Januar 2008.

Tahrir: Kopten feiern Sonntagsmesse – aber was kommt danach?

Freitag@Tahrir: Moslems beten, Christen worshippen

Und wenn Du denkst, es geht nix mehr…

Gestern große Demonstration der Opposition in Ägypten, aber das System macht nur kleine Gesten und im großen und ganzen weiter wie bisher. Es fehlt die Macht. Noch ist nichts gewonnen, Mubarak will nicht gehen, die Armee will ihn offenbar nicht stürzen. Den Tahrir Square mag die Bewegung offenbar nicht aufgeben – er ist in der letzten Woche zum weltweiten Symbol geworden. Vielleicht ist man auch deswegen weder Dienstag noch Gestern zum Präsidentenpalast gezogen.

Aber wie soll es weitergehen? Wie viele Tage will (kann) man den Platz noch halten. Wie lange reicht die Kraft noch? Vielleicht reicht schon ein Tag Regenwetter, um die Platz-Halter zu vertreiben. Und dann? Eigentlich ist es unvermeidbar, dass man sich von der Platzbesetzung verabschiedet und zu anderen Formen übergeht.

Gerade twitterte es, die Kopten Christen in Ägypten° hätten eine gute Idee: christliche Open-Air-Messe auf dem Tahrir am Sonntag. Das ist umso interessanter, da die Anschläge auf eine koptische Kirche Anfang Januar, die Reaktion der Polizei darauf und der folgende, überraschende Schulterschluss zwischen Christen und Moslems nicht ganz unschuldig an der jetzigen Situation sein dürften.

Montagsdemo Oktober 1989

Man wird vermutlich Gründe finden müssen, einen Termin, einen Anlass, um regelmäßig auf die Straße zu kommen, um die Dynamik der letzten Tage zu retten, den Geist nicht schlicht verpuffen zu lassen. Freitagsgebet und Sonntagsmesse, anschließend jeweils gemeinsame Demo. Sounds like a plan?

Remember Hebst 1989, Leipzig: Die Montagsdemos, die ab Septembember im Anschluß an das Montagsgebet in der Nikolai-Kirche begannen. 3 Monate später war die Mauer weg. Steter Tropfen höhlt den Stein und so…

Update:

°) Ich las gerade, dass vor allem ägyptische Protestanten (»Protestant Asr El-Dubara Church«) zur heutigen Messe bzw. Gebet auf den Tahrir SQ gerufen hatte, hingegen Vertreter der altehrwürdigen Koptischen Kirche ihre Anhänger aufforderten, sich nicht zu beteiligen. Das scheint aber weder koptische noch andere Christen abgehalten zu haben, gemeinsam mit Moslems das Vater Unser zu beten. Mehr dazu in diesem Bericht…

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: mir ist klar, dass auch viele säkulare Leute demonstrieren. Aber wenn es gelänge, in Ägypten nicht nur Mubarak zu stürzen, Demokratie einzuführen, sondern auch noch ein dauerhaftes Beispiel für religiöse Toleranz und friedliche Koexistenz im Nahen Osten zu setzen: how great would that be?

Ägyptischer Singer-Songwriter-HipHop?

Zur Festivalstimmung vom Dienstag nun auch endlich Livemusik am Tahrir Square:

Ok, kann mir mal jemand sagen, woher mir die Melodie bekannt ist?

Der Herr, der dort so beherzt in die Saiten greift, soll der ägyptische Musiker Ramy Essam sein, Sänger und Kopf der Band Mashakel – und offenbar nicht ganz unbekannt in seinem Land.  Der Text? Hier eine Übersetzung von hussamofe@youtube:

We’re all one hand , our demands are the same… Leave Leave Leave Leave…
Down , Down With Hosni Mubarak …
Egyptians want to change the regime…
He should leave , we won’t leave…
we’re all one hand , our demands are the same…. Leave Leave Leave Leave…

Mehr Musik nach dem Klick…

weiterlesen…

Muslim + Christian = Egypt

Schöne Formel. Gefällt mir.

Richard Gutjahr, der mittlerweile nicht mehr nur auf eigene Faust, sondern für die ARD aus Kairo berichtet, hat ein paar Fotos quasi-live vom Tahrir Square hochgeladen und dazu getwittert: »Ich trau mich jetzt einfach mal: Die Million ist anwesend.« Beim Blick auf den livestream ist man geneigt, das zu glauben.

Aber was machen die denn jetzt alle? Weiterhin friedlich rumstehen? Auf Al Jazeera orakelt es, der Bewegung fehle die Gallionsfigur. Scheinbar keiner da, der zum (friedlichen) Aufbruch auf den Palast bläst. El Baradei hat Mubarak ein Ultimatum bis Freitag gestellt. Realpoltisch oder einfach nur ungeschickt im Angesicht der Million (und zigtausenden in anderen Städten)? Möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn einfach nichts passiert und sich der Frust entlädt. Spannende Stunden.

Letter from Egypt

»Something new is gonna come…
everybody’s gonna be allright
everybody’s gonna be ok…«
(hopefully)