Es gibt diese kleinen Popmythen, die einfach alle paar Jahre wieder ausgegraben und erzählt werden müssen, zumindest solange die Protagonisten noch irgendeine Art von Gegenwartsrelevanz haben.
Bei Rock Fucker Rock rührt jemand in der Ursuppe der Hamburger Diskurs-Pop-Schule namens »Fast Weltweit« (via). Entlockt nebenbei dem Moloch Youtube einen sehr schönen Song dieser Zeit: »Große Städte, flaches Land« von den Bienenjägern, wo ein junger Jochen Distelmeyer am Mikrofon steht und singt.
Eine Pampa-Hymne und vom Ende her gesehen fast ein FW-Themesong…
Der zweite Teil soll sich mit Michael Girkes »Jetzt!« beschäftigen. Ich harre in freudiger Erwartung…
Nun wollte ich die Schreibpause mit dem Schlachtruf »Endlich Remix!« beenden und sehe grad, dass ein seit wenigen Stunden als Novität verkauftes Stück Musik (und zwar gar kein schlechtes) schon seit nem halben Jahr kostenlos und legal im Netz schwimmt.
Die Sterne taten gestern per Newsletter kund, dass die neue Single »Gib mir die Kraft« raus ist. Neben einem stark eingedampften Radio Edit (von 4:23 auf 2:37 – wow!) und der Album Version wähnte ich mein Bitten und Hoffen auf schöne Remixe zu »24/7« erhört: Frittenbude haben »Nach Fest kommt Lose« in ähnlicher Manier de- und rekonstruiert, die auch schon Kettcars »Graceland« sehr gut tat – und das findet sich jetzt auf der virtuellen B-Seite. Das »Nach Fest Kommt Fest Frittenbude Remix« ist aber schon seit November für lau zu haben, unter anderem bei on3 oder auf soundcloud. Irgendwie hab ich das damals nicht mitbekommen… Jetzt hab ich halt vor allem für diesen Track die mp3-Single gekauft. Naja, zu verkraften.
Ausgerechnet »Gib mir die Kraft« auszukoppeln ist im Anbetracht der anderen großen Songs auf dem Langspieler schon schräg, aber mit dem Ultrakurz-Kraftmix gewinnt er deutlich. Still waiting for the Remix-Album…
Und bei der Gelegenheit gleich die anderen Hamburger angehängt: bei den Amazonen sind grad Grand Hotel van Cleef-Aktionstage. weiterlesen…
Passend zum neuen Album die neue Single. »Live in Quiz« erscheint lt. Amazon am 5. März – leider dort noch ohne Tracklisting; ich hoffe auf Remixe ^^. Auch bei »Depressionen aus der Hölle« könnte ich mir das gut vorstellen… großartiger Song. Drei Singles aus einem Sterne-Album gab es allerdings schon sehr lange nicht mehr. Andererseits: zum aktuellen Konzept würde ein Remix-Album gut passen, und sei es nur als Download. Themenläden Reloaded.
[Update]
1. Die »Single« gibts nur als download, jedenfalls bisher. Schade. Nix mit Remix, nur ein »Radio Edit«. Wundere mich, warum Amazon so tut, als gäb’s ne CD.
2. In diesen Post schlagen täglich diverse Lyric-Gesuche via Google ein. Tatsächlich kommt man bei gängigen Suchbegriffen auf Gut Glück hierher. Ich tu mal so, als wär dieses Blog servicefreundlich und zielgruppenkompatibel. Convenience Shop sozusagen Songtext nach dem Klick. weiterlesen…
Ok, der dritte Sterne-related Post in Folge. Reicht dann auch erstmal. Frank Spilker arbeitet sich im taz-Popblog Monarchie & Alltag durch Christian Ihle’s Musik-Fragebogen.
Bei der hinterlistigen Frage »Tocotronic oder Blumfeld – und warum?« wird die Klippe zunächst geschickt umschifft, um im letzten Satz dann doch den ehemaligen Labelgenossen zu versenken:
Die Frage ist soo neunziger. Aber selbst dann hätte ich gesagt: Ich finde es bei beiden Bands toll, das sie sich in einen internationalen Bezugsrahmen setzen anstatt etwas originär hamburgisches oder deutsches kreiren zu wollen. Tocotronic waren eher Grunge und Blumfeld Sonic Youth oder My bloody Valentine. Mit der Illusion man könnte auch international Erfolg haben ist aber im Laufe der Zeit bei beiden Bands auch dieses In-Bezug-setzten verloren gegangen. Schade. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen: Lieber Sondre Lerche als Jochen Distelmeyer.
Ob man da eine Spitze herauslesen kann?
Mir allerdings sagte bis eben grad Sondre Lerche gar nix. Noch so ein hörenswerter Norweger…
Die Musikindustrie leidet immer noch. Man mag kaum noch hinsehen. Also weiter fleissig Tonträger und digitale Äquivalente gekauft: die Neuerwerbungen der letzten 6 Wochen.
War die Jahresendphase 2009 vor allem von meiner Wiederentdeckung der Steve Skaith Band und des Latin Quarter-Backkatalogs gekennzeichnet (und dem Phänomen, dass man sich Alben, die man schon hat, wegen rarer Reissue-Bonustracks nochmal kauft), dominiert dieses mal ganz klar die Hamburger bzw. Fast Weltweite Fraktion.
Die aktuelle Begemann wartete eigentlich nur auf einen guten Einkaufspreis, seinen Backkatalog gibt es zum netten Preis und wird nach und nach von mir aufgesammelt. Auf »Rezession, Baby« gibt es diesen schönen Song über Jochen Distelmeyer, dessen »Heavy« ich mir bestellt habe, obwohl ich schon ahnte, dass es mir nicht wirklich gefallen würde, aber vielleicht braucht das einfach noch seine Zeit. Das Buch zur Ausstellung Stadt.Land.Pop. liegt hier schon ganz lange – in weiten Teilen sogar gelesen. Mit der darin vorkommenden Bernadette La Hengst konnte ich trotz zahlreichem Zaunpfahlgewinke von Frank W bisher noch nicht viel anfangen, bis kürzlich die Interview-DVD zur Austellung den Player fand; danach wollte »Niemals dorthin« nicht mehr aus dem Ohr. Schräge Scheibe mit einzelnen Highlights, aber auch einem gewissen Talent, gute Ideen nicht konsequent zu selbsttragenden Songs auszubauen. Die Sterne brachte die Post heute druckfrisch ins Haus. Der ‘Disco total’-Aufschrei ist nur bedingt nachvollziehbar. Weniger Gitarren als sonst, aber alles, was diese Band sonst auch ausmachte, ist reichlich vorhanden. Ein klassisches Sterne-Album, nur mit leicht anderen Mitteln. Ob die Songs den Relevanztest der Zeit bestehen, ist nochmal ein anderes Thema, aber die Spilkersche Satzbaumaschine hat auch dieses mal Phrasen für alle Lebenslagen zusammengelötet – das ist schon die halbe Miete. »Ich kann den Müll selbst runterbringen« steht als guter Vorsatz bei jedem dritten Küchenaufenthalt mitten im Raum. Schade, dass tatsächlich alle Songs der Riss-EP in identischen (?) Versionen auf dem Album gelandet sind, so hat man als EP-Kenner ein Viertel des Albums schon reichlich gehört und es fühlt sich längst nicht so frisch an, wie ein nagelneues Album es tun sollte.
Tocotronic haben den Sloganizer wieder angeworfen und an einem neuen Album gebastelt, das am 22. Januar als »Schall und Wahn« in die Läden kommen soll. Die Promomaschine läuft sich schon mal warm und gebärt die erste Singe, die ab 8. Januar laufen lernt. Der Kopf schaut schon raus: das Video zu »Mach es nicht selbst«. Brennende Obi-Biber (oder sind’s Hornbach-Hamster?) inklusive.
An diesen Rat halten sich Die Sterne nicht: das neue, eigene, selbstgebaute »Materie« Label soll in Zusammenarbeit mit Rough Trade spätestens Ende Februar den neuen Langspieler »24/7« rauswerfen. Die Record Release Party in Hamburg ist zumindest für den 26.02.2010 anberaumt, einige Live-Gigs im Januar, Februar und Tour dann im April.
Auf der Studio-Version (zu finden auf der Riss-EP) findet sich außer einem fetten Basslauf eigentlich nichts, was an Gitarre erinnert. Umso bemerkenswerter diese unplugged Version von »Nach Fest kommt Lose«, entstanden bereits im Juni auf dem ungesicherten Dach eines Wiener Hotels – mit zwei Klampfen, Bongos, Sambarasseln und drei offenbar gutgelaunten Sternen. Zu finden bei theyshootmusic.at, die freundlicherweise ihre Videos zum Download anbieten, aber auch einbaufreundlich bei Youtube online stellen.
Konnte mich gestern nicht mehr zum Posten aufraffen, aber nachdem FastWeltweit vorhin »St. Pauli« gebracht hat, wirds jetzt auch Zeit… :)
Das wird Freunde und Sammler freuen: Frank Werner weitet das Fast-Weltweit-Imperium auf die Online-Discographie Discogs aus. So richtig mit fast allen alten Veröffentlichungen des kleinen, aber prägenden Tonstudios in Bad Salzufflen, inklusiv Coverart und Tracklisting – Infos direkt vom Erzeuger, die bislang eher Geheimwissen weniger Leute waren, die Mitte/Ende der 1980er überraschenderweise schon davon gehört hatten oder sich hinterher aus fast versiegten Quellen zusammenklauben mussten.
Man ahnt und hofft, dass da noch mehr im Busche sein könnte… Ist ja bald Weihnachten
Mit Bernd Begemanns Output hab ich manchmal meine Schwierigkeiten. Neben großartigen Songs steht auch einiges an Schrott und mir zu schlageresken Sachen. »Die neuen Mädchen sind da« fällt eher in die zweite Kategorie. Aber wie er da so auf der Bühne steht… Könnte der deutsche Morrissey sein. Oder Rodrigo Gonzales in 15 Jahren?
hallo echo…