Menschen, die meine zum Teil grenzwertigen musikalischen Vorlieben schon länger ertragen müssen, verdrehen gern die Augen beim Stichwort »senegalesischer Hip-Hop«. Vor Jahren fischte ich aus einer Restetonne in irgendeinem Plattenladen eine Compilation namens »Da Hop« mit Hip Hop made in Senegal, Baujahr 2000. Zum Teil durchaus hörbar; enthält mit »Ndékété Yo« von Bideew Bou Bess mindestens einen echten Hit. :)
Im Mai hab ich meine Sammlung um einen Sampler mit (hauptsächlich) Hip-Hop aus Südafrika, Namibia, Nigeria, Somalia und Sudan erweitert: der Charity-Sampler »Beatz of Good Hope« ist mir in die Finger gekommen.
Die Vorgeschichte dazu: Vor einigen Wochen hatte ich in Hermannsburg die Chance, eine südafrikanische Theatergruppe zu sehen, die unter dem Motto »Ayoba 2010!« ein schlichtes, aber eindrucksvolles Stück über den Alltag in Südafrika und die Hoffnungen in Zusammenhang mit der Fußball-WM auf eine Schulbühne brachten (BTW meine erste Begegnung mit Vuvuzelas). In Deutschland touren die Südafrikaner im Auftrag des »Club der Guten Hoffnung«. Unter dieser Überschrift haben sich einige in Südafrika mit engagierte christliche Missionswerke zusammengetan (unter anderem auch das ELM in Hermannsburg), um im Kontext der WM ihre Arbeit darzustellen (zu der auch Fußballprojekte mit Jugendlichen gehören) und über die Situation im Land zu berichten.
Zu diesem Projekt gehören einige Merch-Artikel, zum Beispiel der meines Wissens erste Fair-Trade-Fußball von einem großen Hersteller: Puma hat tatsächlich einen gut aussehenden, fair gehandelten, kinderarbeitsfreien Fußball auf den Markt gebracht. »Beatz of Good Hope« gehört ebenfalls in diese Merch-Reihe und ist untertitelt mit »Urban music against violence in South Africa«.
Eine bemerkenswerte Zusammenstellung von Musik, darunter viel Rap und Hip-Hop, viele mir absolut unbekannte Künstler, aber auch bekannte Namen wie Nneka oder Arrested Development, deren Compilation-Beitrag »People Everyday« als All-Star-Track vor einigen Tagen die musikalische WM-Eröffnungsparty in Südafrika beschloss. Und auch K’naan.
Es brauchte das WM-Konzert, um den Ohrwurm »Wavin’ Flag« mit dem Namen zusammen zu bringen, den ich vom Sampler schon kannte. Die WM-Eröffnung war kaum vorbei, da war die Single auf meiner Festplatte und zwei Alben bestellt. »Wavin’ Flag« ist offenbar dank Coca-Cola eine der heimlichen WM-Hymnen geworden ist, allerdings ist der Werbesong gegenüber der Albumversion deutlich sinnverändert. Das eine eine positive WM-Hymne, das andere ein Song, um einen Befreiungskampf anzuführen.
Er ist auf dem grünen Sampler mit »Strugglin’« vertreten. Zwei tolle Songs, ein interessanter Mensch, der mit 13 Jahren aus dem zerfallenden Somalia flüchtete (das Land mit den Piraten und den Warlords) und mittlerweile hauptsächlich in Kanada lebt. Der als Kind mit einer gefundenen Handgranate seine halbe Schule in die Luft sprengte und alle Voraussetzungen mitbringt, ein weiteren Cliche-Gangstarapper abzugeben. Er singt und rappt über erlebte und erkannte Gewalt, aber glorifiziert sie nicht. Und folgt nicht Pimp- oder Blinkblink-Mustern.
Sein 2008er Album »Troubadour« ist anläßlich der WM und des Single-Erfolgs kürzlich neu aufgelegt worden, u.a. mit dem Wavin’ Flag-Remix durch will.i.am und David Guetta als Bonustrack. Während ich diese Zeilen schreib, läuft das Album. Musikalisch vielfältig: Soul, afrikanische Einflüsse, Rock (bei »If Rap gets jealous« mit Metallica-Gitarrist Kirk Hammet!), Soul, Reaggae, Folk… Der Mann erzählt Geschichten und auch wenn ich jetzt im Augenblick nicht so auf den Text achte: man kann ihm gut zuhören, und das sogar auf Albumlänge. Das schaffen aus dem Genre bei mir nur wenige Tonträger. Könnte daran liegen, dass er das Genre Hip-Hop/Rap schlicht sprengt.
Respekt. :)


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