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Endspurt bei den Mahnwachen

Am kommenden Montag, den 11. April 2011 soll die vorerst vorletzte Mahnwache vor dem Schneverdinger Rathaus stattfinden.

Wie mittlerweile schon üblich um 18.00 bis 18.30 Uhr.

Auch in den kommenden zwei Wochen sollen um 18.00 Uhr bei vielen Kirchen hier in der Gegend die Totenglocken zum Gedenken an die Opfer des Erdbebens in Japan läuten.

Die erstmal letzte Mahnwache in Schneverdingen wird wohl am 18. April sein. Für den darauf folgenden Ostermontag sind in bester Ostermarsch-Tradition Demonstrationen an vielen deutschen Atomstandorten angekündigt. »Osterdienstag« ist dann der 25. Jahrestag der Katastrophe in Tschernobyl.

Schön wäre es, zum Mahnwachen-Finale nochmal viele Leute auf die Straßen und Plätze zu holen. Immerhin 70.000 Menschen waren es letzten Montag, bei über 500 Aktionen bundesweit.  Also: Hintern hochkriegen und raus an die Frühjahrsluft, ein Zeichen setzen, dass weder Fukushima noch Tschernobyl vergessen sind.

Für Leser von anderswo: ausgestrahlt.de  hat die Karte mit den Mahnwachen und Aktionen. Dort auch Infos, wie man schnell selber eine Mahnwache auf die Beine stellen kann und was dabei zu beachten ist.

Etwas mehr Ausstrahlung, bitte…

Wäre ja auch gerne dabei gewesen, hab aber noch andere Verpflichtungen an diesem sonnigen Samstag.

Ausgestrahlt will bis 14.30 Uhr Köpfe gezählt haben und dann veröffentlichen. Wer also schon in einer der Demostädte ist: raus auf die Straße, mitzählen lassen ^^

Ansonsten geht es am Montag um 18.00 Uhr mit den lokalen Mahnwachen weiter. In unserer Ecke läuten auch die Kirchen als Support und zum Gedenken an die Opfer der Atomkraft um 18.00 Uhr ihre Totenglocken. Vermutlich wird der Peak von letzter Woche nicht zu wiederholen sein (720 teilnehmende Orte, 140000 Leute), aber who knows…

There’s always something left to remind him…

Kategorie »vergessene Jahrestage« oder auch »Blogaktionen, die ich grundlos verpennt habe«…

Wie ich vorhin erst las, gedachte man schon am 25. Oktober dem legendären Radiomoderator, DJ und Bandentdecker John Peel, aber da musste ich ja unbedingt über den Grabstein von Tony Wilson schreiben, ebenfalls eine Musiklegende. Passt irgendwie, weil im weiteren zwei Bands auftauchen, die mit Wilson untrennbar verbunden sind: Joy Division und New Order.

John Peel, den Spätgeborenen (*auanichthauen*) muß man das vielleicht sagen, hatte bei der BBC über Jahrzehnte eine Radioshow, für die er Bands (meist Newcomer) ins Studio holte und sie unter live-Bedingungen aufnahm. So entstanden die »Peel Sessions«, in denen manche Bands ungeschliffener, natürlicher und manchmal einfach besser rüberkamen als auf ihren eigenen Studio-Aufnahmen. Über 4000 Sessions von ca. 2000 Bands von 1967 bis 2004. Der Mann hatte ein Händchen für gute Musik: viele Gruppen verdanken ihm den Durchbruch, wurden durch seine Sendung erst einem größerem Publikum bekannt.

#keepingitpeel forderte auf, zum Gedenken an John Peel doch mal seine eigene Lieblings-Peel-Session zu posten.  Obwohl ich gar nicht so viele Sessions in meiner Sammlung hab: schwer, das auf einen Track zu reduzieren.

Platz 1: New Order mit »5-8-6«

Der Song ist so etwas wie die Blaupause für »Blue Monday«. Die Peel-Version so viel besser als die vom Album »Power, Corruption & Lies«. Viel gehört und IIRC die erste Peel-Session, die ich mir jemals als klassische 4-Track-CD gekauft habe.

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My God, I'm taking boys to war...My God, I’m taking boys to war…

Paul Hardcastle hat es nicht nötig, mit Wiederveröffentlichungen eines alten Hits noch ein paar Euronen oder Dollars zu machen. Seit mehreren Jahren ist er in der Nische »Smooth Jazz« und elektronischer Chillout-Musik ziemlich erfolgreich. Alle paar Jahre steht aber ein runder Geburtstag seines 1985er Chart-Hits »19« an. Und prompt gibt’s eine Neuauflage zum 25. Jubiläum. Keine musikalische Offenbarung, aber das Hochhalten eines Themas, das in diesen Tagen hierzulande ja eine traurige Aktualität hat.

Den Spätgeborenen muß vielleicht erklärt werden, dass es sich um einen Song über den Vietnam-Krieg und dessen traumatische Folgen für US-Soldaten handelte, der Sprechtexte einer TV-Dokumentation mit einem Dancetrack unterlegte. Das Video schnibbelt in damals ungewöhnlicher Weise historisches Nachrichtenmaterial, private Fotos und Fronteindrücke zu einer 3-Minuten-Vietnam-Kurzdoku zusammen. Hauptaussage: In Vietnam wurden seitens der USA halbe Kinder an die Front geschickt, Durchschnittsalter:  19 Jahre.

Auf seiner Webseite schreibt Paul Hardcastle:

It’s now the 25th anniversary since the release of “19”, only this time the documentary I am watching is about the British soldiers who would be serving in Afghanistan. I hear the words “I looked at my Men, The average age was 19, my god I’m taking boys to war”, It was unbelievable, almost the same words that gave me the original idea to record “19”, this was all sounding too familiar.

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Minister, Minister, care for your children...Minister, Minister, care for your children…

Erst mit ein paar Tagen Verzögerung hab ich diese Worte° unseres KriegserklärungsVerteidigungsministers zur Kenntnis genommen:

Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, ob sie stolz auf sie sein dürfe. Ich habe beide Fragen, nicht politisch, sondern einfach mit ja beantwortet.

Der Mann ist clever.

Kinder gehen auch in der Politik immer. Privates öffentlich machen erhöht Sympathiewerte. Papa Guttenberg menschelt und trauert und wir sollen uns vorstellen, wie er unter Tränen seiner Tochter den Heldentod dreier Soldaten erklärt. Also drei Soldaten zu Helden erklärt. Und wir glauben ihm natürlich, dass er das überhaupt nicht politsch gemeint hat. Versteht ja seine Tochter noch nicht viel von.

Also, deutsche Jungs und Mädels: seid wieder stolz auf eure gefallenen Helden! Nehmt euch ein Vorbild an ihnen.

Oder was?

Bis vor ein paar Jahren hoffte man hier und da in den Kirchengemeinden des Landes, der unselige Volksttrauertag würde sich langsam aber sicher zu einer geriatrischen Veranstaltung entwickeln und im Laufe der Zeit von selbst erledigt haben. Die Heldengedenktafeln an die Gefallenen von Weltkrieg Eins, die in vielen Orten in Kirchen aufgestellt oder eingelassen wurden, könnten endlich verschwinden, damit wir nicht nur (um mal mit Micha 4 zu sprechen) den Krieg verlernen, sondern auch keinen Raum mehr für zweifelhafte Erinnerungskultur geben. Nie wieder Krieg, nie wieder Heldengedenken, nie wieder Kranzabwurfstellen.

Für die Übergangszeit wurden mancherorts andere Schwerpunkte gesetzt: ein Antikriegs-Gedenken. Ein Gedenken an die zivilen Opfer. Internationale Versöhnung der Kinder und Enkel an den Gräbern der Väter und Großväter. Und wenn schon Kränze für die Soldaten, dann auch einen Kranz und Erinnerung an die Opfer von Krieg und Terror, im hiesigen lokalen Fall zum Beispiel an die Toten der KZ-Züge auf der Heidebahn, deren Gräber sich unweit des Gefallenen-Mahnmals befinden.

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt jetzt den neuen Trend vor: wir haben wieder kriegsähnliche Helden. Es werden nicht die letzten sein. Der Volkstrauertag wird wieder ihrer. Man darf auf die Ansprachen im November gespannt sein.  Und bei jeder Trauerfeier vorher. Man wird gut hinhören müssen, wie diese Toten für welche Politik instrumentalisiert werden.

Unterdessen taucht gestern ein jovial-hemdsärmeliger Kriegsähnlichkeitsminister in Kunduz auf, enthüllt dort drei weitere Gedenktafeln und verspricht unter Applaus der Truppe mehr Kriegsgerät.

Böller statt Brot. Panzer statt Politik.

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