fotoflut

Painyell @ HABC 2009Take Action Festival 2005Sturch @ MYA2009A Chinese Restaurant @ MYA2008 (Freitag)

quartalsplatten

der frühe vogel…

My God, I'm taking boys to war...My God, I’m taking boys to war…

Paul Hardcastle hat es nicht nötig, mit Wiederveröffentlichungen eines alten Hits noch ein paar Euronen oder Dollars zu machen. Seit mehreren Jahren ist er in der Nische »Smooth Jazz« und elektronischer Chillout-Musik ziemlich erfolgreich. Alle paar Jahre steht aber ein runder Geburtstag seines 1985er Chart-Hits »19« an. Und prompt gibt’s eine Neuauflage zum 25. Jubiläum. Keine musikalische Offenbarung, aber das Hochhalten eines Themas, das in diesen Tagen hierzulande ja eine traurige Aktualität hat.

Den Spätgeborenen muß vielleicht erklärt werden, dass es sich um einen Song über den Vietnam-Krieg und dessen traumatische Folgen für US-Soldaten handelte, der Sprechtexte einer TV-Dokumentation mit einem Dancetrack unterlegte. Das Video schnibbelt in damals ungewöhnlicher Weise historisches Nachrichtenmaterial, private Fotos und Fronteindrücke zu einer 3-Minuten-Vietnam-Kurzdoku zusammen. Hauptaussage: In Vietnam wurden seitens der USA halbe Kinder an die Front geschickt, Durchschnittsalter:  19 Jahre.

Auf seiner Webseite schreibt Paul Hardcastle:

It’s now the 25th anniversary since the release of “19”, only this time the documentary I am watching is about the British soldiers who would be serving in Afghanistan. I hear the words “I looked at my Men, The average age was 19, my god I’m taking boys to war”, It was unbelievable, almost the same words that gave me the original idea to record “19”, this was all sounding too familiar.

weiterlesen…

Minister, Minister, care for your children...Minister, Minister, care for your children…

Erst mit ein paar Tagen Verzögerung hab ich diese Worte° unseres KriegserklärungsVerteidigungsministers zur Kenntnis genommen:

Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, ob sie stolz auf sie sein dürfe. Ich habe beide Fragen, nicht politisch, sondern einfach mit ja beantwortet.

Der Mann ist clever.

Kinder gehen auch in der Politik immer. Privates öffentlich machen erhöht Sympathiewerte. Papa Guttenberg menschelt und trauert und wir sollen uns vorstellen, wie er unter Tränen seiner Tochter den Heldentod dreier Soldaten erklärt. Also drei Soldaten zu Helden erklärt. Und wir glauben ihm natürlich, dass er das überhaupt nicht politsch gemeint hat. Versteht ja seine Tochter noch nicht viel von.

Also, deutsche Jungs und Mädels: seid wieder stolz auf eure gefallenen Helden! Nehmt euch ein Vorbild an ihnen.

Oder was?

Bis vor ein paar Jahren hoffte man hier und da in den Kirchengemeinden des Landes, der unselige Volksttrauertag würde sich langsam aber sicher zu einer geriatrischen Veranstaltung entwickeln und im Laufe der Zeit von selbst erledigt haben. Die Heldengedenktafeln an die Gefallenen von Weltkrieg Eins, die in vielen Orten in Kirchen aufgestellt oder eingelassen wurden, könnten endlich verschwinden, damit wir nicht nur (um mal mit Micha 4 zu sprechen) den Krieg verlernen, sondern auch keinen Raum mehr für zweifelhafte Erinnerungskultur geben. Nie wieder Krieg, nie wieder Heldengedenken, nie wieder Kranzabwurfstellen.

Für die Übergangszeit wurden mancherorts andere Schwerpunkte gesetzt: ein Antikriegs-Gedenken. Ein Gedenken an die zivilen Opfer. Internationale Versöhnung der Kinder und Enkel an den Gräbern der Väter und Großväter. Und wenn schon Kränze für die Soldaten, dann auch einen Kranz und Erinnerung an die Opfer von Krieg und Terror, im hiesigen lokalen Fall zum Beispiel an die Toten der KZ-Züge auf der Heidebahn, deren Gräber sich unweit des Gefallenen-Mahnmals befinden.

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt jetzt den neuen Trend vor: wir haben wieder kriegsähnliche Helden. Es werden nicht die letzten sein. Der Volkstrauertag wird wieder ihrer. Man darf auf die Ansprachen im November gespannt sein.  Und bei jeder Trauerfeier vorher. Man wird gut hinhören müssen, wie diese Toten für welche Politik instrumentalisiert werden.

Unterdessen taucht gestern ein jovial-hemdsärmeliger Kriegsähnlichkeitsminister in Kunduz auf, enthüllt dort drei weitere Gedenktafeln und verspricht unter Applaus der Truppe mehr Kriegsgerät.

Böller statt Brot. Panzer statt Politik.

weiterlesen…