Experten haben festgestellt: Wenn Jungen rechtsradikal werden – Mädchen werden es fast nie –, dann fehlt ihnen oft eine männliche Bezugsperson.
Die Psychoanalytikerin Gertrud Hardtmann, die bis 1998 Professorin für Sozialpädagogik an der TU Berlin war und heute eine psychiatrische Praxis betreibt, hat Einzel- und Gruppengespräche mit Berliner Rechtsradikalen geführt – und analysiert, wie die jungen Männer in die Neonazi-Szene gerieten.
„Wenn die Väter der Jugendlichen nicht aufgrund von Scheidung, Tod oder Trennung abwesend waren, so waren sie häufig depressiv, mit sich selbst beschäftigt, mit ihren eigenen selbstgemachten oder von außen produzierten Problemen – meist einer Mischung – oder mit ihrem Hobby“, schreibt sie in ihrem Buch „16, männlich, rechtsradikal“.
Laut Hardtmann finden Jungen wie Robert Bayer in der Szene Ersatzväter – und ein Modell vermeintlich echter Männlichkeit: Dort gelten die angeblichen Helden der Vergangenheit mehr als die eigene Zukunft, und Prügeleien als Ausdruck von Stärke.
Ich hatte von einzelnen Youtube-Clips gelesen, aber noch nicht, dass es dazu seit 10 Tagen eine Webseite und eine Kampange gibt, die schwulen und lesbischen Jugendlichen Mut machen will: It gets better.
»The Pledge: We are the kids who have been bullied for being gay, lesbian, bi or trans. We pledge to stay open and strong. We are also the friends, family members, teachers, mentors, and allies of anyone who’s ever felt like they didn’t fit in, gay or straight. We pledge to talk to the kids in our lives to put an end to the hate, violence, and tragedy — and to offer advice on coping, strategies to make it better, and to remind kids that It Gets Better.«
Gute Sache. Auch, dass es über die queere Community hinausgeht und Familien, Lehrer und Jugendarbeiter einbeziehen will. Gegenöffentlichkeit schaffen. Wer startet sowas in deutscher Sprache? Oder gibt es das schon?
Für die Non-Heidjer: das Höpen Air ist ein jährliches Open Air-Festival, das der Stadtjugendring Schneverdingen auf der Bühne im Höpen, einer Heidefläche am Stadtrand, veranstaltet. In diesem Jahr immerhin schon zum fünfundzwanzigsten mal und zum ersten mal direkt nach dem Heideblütenfest am 4. September 2010.
Das Festival eröffnet traditionell eine Band aus Schneverdingen bzw. der Region, und diese wird zum vierten Mal in einem Bandcontest im FZB Jugendbereich ermittelt.
Also: Höpen Air Bandcontest IV am 11. Juni ab 20.00 Uhr in der FZB. Mit Bømbøm aus Tostedt, Rising Rage aus Buchholz, She Said Goodbye aus Schneverdingen und den sehr sympatischen Kariert aus Rotenburg. Als Special Guests Chicago Radio aus Schneverdingen und irgendwo las ich was von einer Gastband aus Schweden.
Eintritt kost nix. Fotos zu 90% hinterher hier. ^^
Derzeit wird ein Entwurf für einen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag diskutiert und gegen den sehen die Von der Leyenschen Stoppschilder ziemlich blass aus.
Ich hab die Auflistung vom AK Zensur mal in eigene Worte umgebrochen:
Zugangs-Anbieter, Webspace-Anbieter und Webseitenbetreiber haften grundsätzlich für alles, was nicht koscher ist.
Alters-Kategorien: ab 0 Jahre, ab 6 Jahre, ab 12 Jahre, ab 16 Jahre, ab 18 Jahre.
Alle »Anbieter« müssen sicherstellen, dass Kinder der entsprechenden Altersstufe jeweils ungeeignete Inhalte nicht wahrnehmen. Entweder durch ein von der Kommission für Jugendmedienschutz zugelassenes Altersüberprüfungsverfahren. Oder durch späte »Sendezeiten« (beispielsweise nur zwischen 22 und 6 Uhr, wenn ab 16 Jahre). Oder durch eine Art von FSK-Kennzeichnung durch den Anbieter.
Zugangs-Anbieter werden verpflichtet, ausländische Seiten zu sperren, die sich nicht so filtern lassen.
Alle »Anbieter« sind verpflichtet, Inhalte zeitnah zu löschen, filtern oder zensieren, »die geeignet sind, die Entwicklung von jüngeren Personen zu beeinträchtigen«, insbesondere bei Inhalten, die von Benutzern selber erstellt werden können (Forenbeiträge, Kommentare, Trackbacks, Links…).
Das bedeutet: Im großen Stil wird Zensur-Infrastruktur aufgebaut. Ähnlich wie schon bei der Killerspiel-Debatte wird wieder einmal – auf ganz großer Ebene und ausgerechnet bei DEM Medium überhaupt – die Jugendschutz-Thematik genutzt, um Inhalte zu zensieren.
Chinesische Verhältnisse durch die Hintertür. Vorratsdatenspeicherung und Zensursula sind Kindergarten dagegen.
Dreist nicht nur die Idee, die ganze Welt möge sich an die Erziehungs- und Moralvorstellungen einer nationalen Jugendschutzkommission unter einer konserativen Regierung halten.
Mutig die Idee, im Zweifelsfall die Welt auszusperren zu wollen.
Lächerlich die Idee der »Sendezeiten«. Werden wir wirklich von Internetausdruckern mit SO SEHR beschränktem Wahrnehmungshorizont regiert?
Fatal die Vorstellung, man könne oder sollte die »Beeinträchtigung« von jungen Menschen verbieten. Mit dieser Argumentation könnte man jede Form von Erziehung, Bildung und Aufklärung untersagen. Wer will die Grenzen ziehen? Gerade im Bereich zwischen 12 und 16 Jahren, wo alle Nase lang individuelle Sprünge in der Persönlichkeitsentwicklung lauern, die Eltern und Mitmenschen staunen lassen und die eigentlich – wenn überhaupt – nach flexibleren Freiräumen rufen und nicht nach mehr Regulierung. Das deutsche FSK-System wird doch schon bei Filmen u.ä. nicht mehr der Realität gerecht.
Und was machen eigentlich Säuglinge im Web? Oder wozu braucht es hier FSK0?
Wir blicken zurück auf gut 15 Jahre Internet als Massenmedium. Mindestens eine Generation von Menschen ist mit diesem Medium aufgewachsen und erwachsen geworden. Die Welt ist nicht untergegangen. Vielleicht sollte man das Konzept »Jugendschutz« mal überdenken…
Also: es geht wieder los. Dummerweise läßt sich die Gegenposition zu dieser Gesetzesmaßnahme nicht in so eine einfache (konstruktive) Parole wie »Löschen statt Sperren« packen. Oder doch?
Man könnte jetzt gut sowas wie eine »Internetpartei« gebrauchen, die sich für dieses Thema stark macht. Schade, dass die Piraten hierzulande nicht mehr Herr im eigenen Haus sind. Orange und Braun liegen farblich halt dicht beieinander, da kann man schon mal was verwechseln.
Warum saufen Leute eigentlich soviel? Das Statistische Bundesamt die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen im Jahr 2008 veröffentlicht. SpOn berichtet heute:
Im vergangenen Jahr mussten 25.700 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das sind elf Prozent mehr als 2007. Wirklich alarmierend aber ist der Vergleich mit dem Jahr 2000 – damals waren es nur 9500. Somit hat sich die Zahl der jungen Komasäufer in acht Jahren fast verdreifacht.
Bei den Erwachsenen sieht das auch nicht viel besser aus: auch da wird mehr gesoffen.
Dazu passt die Beobachtung, dass in unserem Heide-Hauptdorf jedes Stadtfest/Weihnachtsmarkt/Heideblüfest/Schützenfest eigentlich nur ein anderer Anlass ist, um Bierbuden aufzubauen und sich gepflegt die Kante zu geben. Bei eigentlich »geprägten« Sachen wie dem Weihnachtsmarkt wurden vor wenigen Jahren die Öffnungszeiten am Abend verlängert: damit die Bierbuden mehr Umsatz machen können. Die kleinen Händler machen ab 18.00 Uhr dicht, aber an den Zapfhähnen ist bis 22.00 Uhr »hoch die Tassen« angesagt. Selbst Feste mit einst eigener Prägung versumpfen nach 20.00 Uhr in Bierseligkeit. Warum sollte der Nachwuchs sich daran kein Vorbild nehmen? – so ist unsere Festkultur! So öde ist sie geworden.
Aber natürlich ist vor allem der Jugendbereich der Böse – und schnell kommen Reflexforderungen wie diese:
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte entschiedenes Handeln: Gegen das Rauschtrinken der immer größer werdenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen müsse mehr getan werden. [...]
Offenbar reichten die bisherigen Präventionsmaßnahmen aber nicht aus. Notwendig seien Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an allen Alkoholverkaufsstellen. [...] Weiter nötig sind nach ihrer Auffassung eine bessere Alkoholprävention an den Schulen und eine bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung.
So sinnvoll Prävention generell ist, so vernüftig Ausweiskontrollen, Aufklärung und dergleichen sind: dem Grund, warum so gerne so viel gesoffen wird, kommt man damit nicht auf die Schliche und wird das Problem so nicht eindämmen können.
Meine These: je mehr der Leistungsdruck auf den Einzelnen steigt, je mehr Ventile werden gebraucht, um ihn abzubauen. Alkoholexesse sind ein solches Ventil. Ein schnelles und relativ billiges noch dazu. Ich pronostiziere einen weiteren Anstieg der jugendlichen Alkohol-Komasäufer in den nächsten Jahren. Geht mit dem Turbo-Abi ja grad erst richtig los, aber die 10/11jährigen, die gleich nach der Grundschule beweisen müssen, dass sie die Hoffnungen ihrer Eltern nicht enttäuschen, die haben wir ja jetzt schon (Niedersachsen hat vor kurzem erst die OS abgeschafft). Ganztagsschule verlangt ganztägig ein angepasstes Verhalten. Das schreit nach weiteren Möglichkeiten, die Sau raus zu lassen. Der Druck im Betrieb wird während der Wirtschaftskrise nicht weniger, die Chancen einen halbwegs erfüllenden Job zu bekommen und aus der Beschäftigungsmaßname raus zu kommen, wächst auch nicht. Irgendwo muß man den Frust ja abbauen.
Und hey: besser Saufen als Amok laufen, oder?
Wie gesagt: meine These. Ich vermute, es gibt noch einige andere Bausteine. Ergänzungen und Widerspruch willkommen.