Heute haben sich auch in Schneverdingen etwa 100 Leute zu einer Mahnwache gegen Atomkraft vor dem Schneverdinger Rathaus versammelt. Kurz vorher trafen sich knapp 45 Personen zu einem Fürbittengebet für Japan in der Evangelischen Kirche.
Beides soll sich am nächsten Montag, den 21.03.2011 wiederholen:
17.15 Uhr Gebet für Japan in der Kirche,
18.00 Uhr Mahnwache vor dem Rathaus.
Verschiedene lokale Gruppen (Jusos, Grüne, Ev. Jugend) rufen zur Teilnahme an der Mahnwache auf.
Weitersagen. Mitmachen. Infos zu Aktionen in anderen Städten bei Campact.
Heute ist Ewigkeitssonntag. Im Volksmund auch gerne »Totensonntag« genannt. Tatsächlich wurde in den Kirchen des Landes heute meist an die Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. In vielen den Gemeinden werden ihre Namen verlesen, aber der Blick soll nicht bei den Gräbern bleiben, sondern über den Tod hinaus in Richtung »ewiges Leben« gehen.
»Nichts bleibt für die Ewigkeit« trällerten dereinst die Toten Hosen. Im Angesicht von frischen Gräbern ist man aber vieleicht doch geneigt zu glauben, dass da irgendwas von dem Menschen bleibt, der jetzt nicht mehr da ist. Gibt es irgendein Leben nach dem Tod? Oder alles Wunschdenken? Wie kann man sich so ein Weiterleben vorstellen? Oder ist es besser, sich gar nichts vorzustellen?
Kann man sich mal kurz über den Geisteszustand der Berliner Parteienlandschaft Gedanken machen? Der Rücktritt von Köhler: ok, dumm gelaufen. Nachvollziehbar, dass ein Präsident, der sich fortlaufend mehr zu einem Doppelgänger von Matthias Richling entwickelt, irgendwann nicht mehr die nötige Autorität für sein Amt hat. Schwamm drüber, shit happens, und immerhin hatte Bundeshotte damit etwas, das die Bundeswehr in Afghanistan nicht hat: eine Exit-Strategie – und die Möglichkeit, diese zum Einsatz zu bringen. Es sei ihm gegönnt.
Aber was jetzt? Man hört Vorschäge. Die drei unglaublichsten, in der Reihenfolge der Unglaublichkeit:
3. Wolfgang Gehardt.
Der Unsympath von der FPD. Typ »stubenreiner Wadenbeisser«. Als Bundespräsident? Eine Integrationsfigur für’s Volk? Möglicherweise für alle? Einer Partei, die schon wieder an der 5%-Marke knabbert? Come on, meint ihr doch nicht ernst?
2. Margot Käßmann.
Rot-Licht-Gestalt von uns Evangelen. Irgendwann auch mal von mir geschätzt, muß zu Zeiten gewesen sein, bevor sie Bischöfin wurde oder kurz danach. Innerkirchlich ist sie nicht die reine Sympathieträgerin, als die sie gerne gemalt und medial wahrgenommen wird. In den letzten Einsparrunden ist mir von ihr der Satz im Ohr hängen geblieben, dass man quasi alles einsparen könne, solange im Pfarrhaus noch das Licht brennt – welch ein grenzwertig-gestriges, pfarrerzentriertes Verständnis von Kirche. Völlig unverständlich daher der öffentliche Weinkrampf der Mitarbeitervertretung in der Hannoverschen Landeskirche, die der Ex-Bischöfin in geradezu anbiedernd-peinlicher Weise nachweint. Warum grad eine evangelische Ex-Bischöfin Bundespräsidentin werden sollte? Was qualifiziert sie, außer dass sie auf einem irrationalen Beliebtheits-Hype dahingleitet? Liebe SPD, der Vorschlag kam doch aus euren Reihen: geht’s noch? Fragt doch lieber die Gesine nochmal.
1. Ursula von der Leyen.
Die Übermutti. Die Ernst-Albrecht-Tochter. Keifende, unsachliche, Lügen verbreitende Streiterin für Zensur im Internet. Demokratiedemontiererin. Zensursula. Hassfigur der Netzgemeinde. WTF?!!einself. Liebe CDU, brennt ihr? weiterlesen…
Erst mit ein paar Tagen Verzögerung hab ich diese Worte° unseres KriegserklärungsVerteidigungsministers zur Kenntnis genommen:
Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, ob sie stolz auf sie sein dürfe. Ich habe beide Fragen, nicht politisch, sondern einfach mit ja beantwortet.
Der Mann ist clever.
Kinder gehen auch in der Politik immer. Privates öffentlich machen erhöht Sympathiewerte. Papa Guttenberg menschelt und trauert und wir sollen uns vorstellen, wie er unter Tränen seiner Tochter den Heldentod dreier Soldaten erklärt. Also drei Soldaten zu Helden erklärt. Und wir glauben ihm natürlich, dass er das überhaupt nicht politsch gemeint hat. Versteht ja seine Tochter noch nicht viel von.
Also, deutsche Jungs und Mädels: seid wieder stolz auf eure gefallenen Helden! Nehmt euch ein Vorbild an ihnen.
Oder was?
Bis vor ein paar Jahren hoffte man hier und da in den Kirchengemeinden des Landes, der unselige Volksttrauertag würde sich langsam aber sicher zu einer geriatrischen Veranstaltung entwickeln und im Laufe der Zeit von selbst erledigt haben. Die Heldengedenktafeln an die Gefallenen von Weltkrieg Eins, die in vielen Orten in Kirchen aufgestellt oder eingelassen wurden, könnten endlich verschwinden, damit wir nicht nur (um mal mit Micha 4 zu sprechen) den Krieg verlernen, sondern auch keinen Raum mehr für zweifelhafte Erinnerungskultur geben. Nie wieder Krieg, nie wieder Heldengedenken, nie wieder Kranzabwurfstellen.
Für die Übergangszeit wurden mancherorts andere Schwerpunkte gesetzt: ein Antikriegs-Gedenken. Ein Gedenken an die zivilen Opfer. Internationale Versöhnung der Kinder und Enkel an den Gräbern der Väter und Großväter. Und wenn schon Kränze für die Soldaten, dann auch einen Kranz und Erinnerung an die Opfer von Krieg und Terror, im hiesigen lokalen Fall zum Beispiel an die Toten der KZ-Züge auf der Heidebahn, deren Gräber sich unweit des Gefallenen-Mahnmals befinden.
Karl-Theodor zu Guttenberg gibt jetzt den neuen Trend vor: wir haben wieder kriegsähnliche Helden. Es werden nicht die letzten sein. Der Volkstrauertag wird wieder ihrer. Man darf auf die Ansprachen im November gespannt sein. Und bei jeder Trauerfeier vorher. Man wird gut hinhören müssen, wie diese Toten für welche Politik instrumentalisiert werden.
Unterdessen taucht gestern ein jovial-hemdsärmeliger Kriegsähnlichkeitsminister in Kunduz auf, enthüllt dort drei weitere Gedenktafeln und verspricht unter Applaus der Truppe mehr Kriegsgerät.
Wie man ernsthaft Christ und Anhänger rechtsdrehender Ideologien sein kann, wollte mir noch nie in den Kopf. Sollte sich grundsätzlich ausschließen (Jesus war Jude, die Bibel ist jüdisch, auch inhaltlich passt da nix zusammen), aber vermutlich krebseln in jeder Kirchengemeinde noch Nazis rum, zumindest als passive Mitglieder, manchmal aber auch aktiv im Gemeindeleben präsent.
Von dem Hype um Margot Käßmann vll. überschattet, mal eine inhaltliche Sache von der EKD-Synode:
Die Synode der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Ulm hat die Bundesregierung aufgefordert, das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Rechtsextremismus nachhaltig zu fördern. Das geht aus einem Beschluss der Synode vom 29. Oktober 2009 hervor. Gleichzeitig beklagt die EKD rechtsextreme Einstellungen bei Mitgliedern der deutschen Kirchgemeinden und will kirchenrechtliche Konsequenzen bei rechtsextremen Mitgliedern der Gemeinden prüfen lassen. (…)
Gleichzeitig bietet die Gemeinschaft von 22 Kirchen zivilgesellschaftlichen Initiativen ihre Unterstützung an, die sich offensiv mit rassistischen und antisemitischen Einstellungen sowie rechtsextremen Strukturen auseinandersetzen. Auch in der kirchlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung soll das Thema vertieft werden und eine größere Rolle spielen.
In Heideblüten-City haben aus gegebenen Anlass ja schon einige Vereine erfolgreich die Satzungen dahingehend geändert, bekennende Nazis nicht nur aus ihren Veranstaltungen ausladen zu können, sondern auch aus dem Verein auszuschließen. Wäre sehr wünschenswert, wenn man auch in der Kirche eine einfache Handhabe hätte, dasselbe zu tun.