Paul Hardcastle hat es nicht nötig, mit Wiederveröffentlichungen eines alten Hits noch ein paar Euronen oder Dollars zu machen. Seit mehreren Jahren ist er in der Nische »Smooth Jazz« und elektronischer Chillout-Musik ziemlich erfolgreich. Alle paar Jahre steht aber ein runder Geburtstag seines 1985er Chart-Hits »19« an. Und prompt gibt’s eine Neuauflage zum 25. Jubiläum. Keine musikalische Offenbarung, aber das Hochhalten eines Themas, das in diesen Tagen hierzulande ja eine traurige Aktualität hat.
Den Spätgeborenen muß vielleicht erklärt werden, dass es sich um einen Song über den Vietnam-Krieg und dessen traumatische Folgen für US-Soldaten handelte, der Sprechtexte einer TV-Dokumentation mit einem Dancetrack unterlegte. Das Video schnibbelt in damals ungewöhnlicher Weise historisches Nachrichtenmaterial, private Fotos und Fronteindrücke zu einer 3-Minuten-Vietnam-Kurzdoku zusammen. Hauptaussage: In Vietnam wurden seitens der USA halbe Kinder an die Front geschickt, Durchschnittsalter: 19 Jahre.
It’s now the 25th anniversary since the release of “19”, only this time the documentary I am watching is about the British soldiers who would be serving in Afghanistan. I hear the words “I looked at my Men, The average age was 19, my god I’m taking boys to war”, It was unbelievable, almost the same words that gave me the original idea to record “19”, this was all sounding too familiar.
Ein Verteidigungminister findet seine Rolle nicht. Das war mein erster Gedanke, als ich ihn vorhin in den Nachrichten sprechen sah, live vom Flughafen. Noch auf dem Rückweg nach Deutschland von Trauerbesuch Eins, ereilt ihn die Todesnachricht von vier weiteren deutschen Soldaten. Damit hier nichts mißverstanden wird: deren Tod ist tatsächlich schlimm, grausam, traurig.
Guttenberg fällt nichts anderes ein, als unter dem Eindruck der weiteren Toten am liebsten auf dem Absatz kehrt zu machen und den Soldaten in Kunduz beistehen zu wollen. Adel verpflichtet: der Kriegsherr steht seinen Vasallen bei, welch ein schönes Bild.
Fragen: Brauchen Soldaten überhaupt einen Minister, der schnell nochmal zum Händchenhalten vorbei kommt? Oder braucht vielmehr Guttenberg die Nähe zu den Soldaten? Zur eigenen Trauerarbeit?
Oder sogar zur eigenen Imagepflege? Sympahtiepunkte sammeln für die Wahlen, die anstehen?
Erst mit ein paar Tagen Verzögerung hab ich diese Worte° unseres KriegserklärungsVerteidigungsministers zur Kenntnis genommen:
Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, ob sie stolz auf sie sein dürfe. Ich habe beide Fragen, nicht politisch, sondern einfach mit ja beantwortet.
Der Mann ist clever.
Kinder gehen auch in der Politik immer. Privates öffentlich machen erhöht Sympathiewerte. Papa Guttenberg menschelt und trauert und wir sollen uns vorstellen, wie er unter Tränen seiner Tochter den Heldentod dreier Soldaten erklärt. Also drei Soldaten zu Helden erklärt. Und wir glauben ihm natürlich, dass er das überhaupt nicht politsch gemeint hat. Versteht ja seine Tochter noch nicht viel von.
Also, deutsche Jungs und Mädels: seid wieder stolz auf eure gefallenen Helden! Nehmt euch ein Vorbild an ihnen.
Oder was?
Bis vor ein paar Jahren hoffte man hier und da in den Kirchengemeinden des Landes, der unselige Volksttrauertag würde sich langsam aber sicher zu einer geriatrischen Veranstaltung entwickeln und im Laufe der Zeit von selbst erledigt haben. Die Heldengedenktafeln an die Gefallenen von Weltkrieg Eins, die in vielen Orten in Kirchen aufgestellt oder eingelassen wurden, könnten endlich verschwinden, damit wir nicht nur (um mal mit Micha 4 zu sprechen) den Krieg verlernen, sondern auch keinen Raum mehr für zweifelhafte Erinnerungskultur geben. Nie wieder Krieg, nie wieder Heldengedenken, nie wieder Kranzabwurfstellen.
Für die Übergangszeit wurden mancherorts andere Schwerpunkte gesetzt: ein Antikriegs-Gedenken. Ein Gedenken an die zivilen Opfer. Internationale Versöhnung der Kinder und Enkel an den Gräbern der Väter und Großväter. Und wenn schon Kränze für die Soldaten, dann auch einen Kranz und Erinnerung an die Opfer von Krieg und Terror, im hiesigen lokalen Fall zum Beispiel an die Toten der KZ-Züge auf der Heidebahn, deren Gräber sich unweit des Gefallenen-Mahnmals befinden.
Karl-Theodor zu Guttenberg gibt jetzt den neuen Trend vor: wir haben wieder kriegsähnliche Helden. Es werden nicht die letzten sein. Der Volkstrauertag wird wieder ihrer. Man darf auf die Ansprachen im November gespannt sein. Und bei jeder Trauerfeier vorher. Man wird gut hinhören müssen, wie diese Toten für welche Politik instrumentalisiert werden.
Unterdessen taucht gestern ein jovial-hemdsärmeliger Kriegsähnlichkeitsminister in Kunduz auf, enthüllt dort drei weitere Gedenktafeln und verspricht unter Applaus der Truppe mehr Kriegsgerät.
Auch wenn die USA in Sachen Verbot von Landminen sich möglicherweise doch erweichen lassen: bleiben immer noch etliche weitere Staaten, die dem Abkommen zur Ächtung von Landminen noch nicht beigetreten sind. Millionen von sogenannten »Antipersonen-Minen« sind weltweit in (z.T.) ehemaligen Krieges- und Krisengebieten verteilt, tausende Menschen werden dadurch jährlich zerstümmelt oder getötet. (Ketchup-Kampange gefunden bei iheartpluto)
Garstige Sache: die Welt bejubelt Glastnost und das nahe Ende des Kalten Krieges – und Matt Johnson spießt Friedenstauben auf Bajonette und macht daraus ein Plattencover. »Mind Bomb« – das 1989er Album seiner Band »The The« (sehr suchmaschinenunfreundlicher Name, btw) - hatte als Opener »Armageddon days are here (again)« und prophezeite der Welt einen neuen, heißen Krieg:
»Islam is rising
The Christians mobilising
The world is on its elbows and knees
It’s forgotten the message and worships the creeds«
Hat hier jemand »Krieg gegen den Terror« gesagt?
Aber naheliegender: der erste Irakkrieg (bzw. zweite Golfkrieg), der 1990 mit dem Einmarsch Iraks in Kuwait begann und mit dem »Destert Storm« der US-geführten Koalitonsarmee endete. Nix mehr mit Eierkuchen. Oder wie And One kurz darauf sangen: »Aus der Traum.«
Ach ja: and the Guitar is played by Johnny Marr, der nach dem Smiths-Split 1987 in etlichen Bands und Alben seine Finger drin hatte und 1989 Mitglied von The The war, neben seiner eigentlichen neuen Hauptband Electronic.
In der Werbung Waffen und Spielzeug zu mixen geht eigentlich gar nicht. Wasser-Pumpguns vielleicht mal ausgenommen
Was wollen uns die Werbeschaffenden damit wohl sagen? Ok, Lego regt die Phantasie, das Abstraktionsvermögen und den Erschafferdrang an. Um damit Dinge zu erschaffen und zu erdenken, die Leben und Phantasie zerstören? Hmmm…
Bleibt natürlich die Möglichkeit, dass es Fake-Motive sind, aber Lego hat auch sonst keine Berührungsängste in Sachen grenzwertiger Werbemotive.
Gefunden beim Blog vom Musikexpress, wo es auch noch ne Reihe harmloserer Motive gibt.
hallo echo…