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Wenn aus Kindern Neonazis werden:
Experten haben festgestellt: Wenn Jungen rechtsradikal werden – Mädchen werden es fast nie –, dann fehlt ihnen oft eine männliche Bezugsperson.
Die Psychoanalytikerin Gertrud Hardtmann, die bis 1998 Professorin für Sozialpädagogik an der TU Berlin war und heute eine psychiatrische Praxis betreibt, hat Einzel- und Gruppengespräche mit Berliner Rechtsradikalen geführt – und analysiert, wie die jungen Männer in die Neonazi-Szene gerieten.
„Wenn die Väter der Jugendlichen nicht aufgrund von Scheidung, Tod oder Trennung abwesend waren, so waren sie häufig depressiv, mit sich selbst beschäftigt, mit ihren eigenen selbstgemachten oder von außen produzierten Problemen – meist einer Mischung – oder mit ihrem Hobby“, schreibt sie in ihrem Buch „16, männlich, rechtsradikal“.
Laut Hardtmann finden Jungen wie Robert Bayer in der Szene Ersatzväter – und ein Modell vermeintlich echter Männlichkeit: Dort gelten die angeblichen Helden der Vergangenheit mehr als die eigene Zukunft, und Prügeleien als Ausdruck von Stärke.
Die gute Nachricht zuerst: das Landhaus Eden in Soltau-Harber hat die NPD ausgeladen, das angekündigte Nazitreffen wird morgen (29.8.2010) dort nicht stattfinden.
Die schlechte Nachricht: der Landhaus-Besitzer Filipp will mit dieser Absage wohl vor allem die ggf. rufschädigende Wirkung einer antifaschistischen Kundgebung vor seinem Lokal verhindern. Von der NPD distanzieren möchte er sich nicht, eher im Gegenteil:
Antifa.sfa schreibt:
Im übrigen habe F. gegenüber der Polizei mitgeteilt, dass Chistian Berisha bei der Buchung eines Raumes durchaus gesagt habe, dass es sich um eine kommunalpolitische Tagung der NPD handeln würde. Er hat seine Karte im Lokal gelassen, aus der sein Beruf als Händler hervorging. (Warum ein leitender Angestellter des Lokals gegenüber der Presse von einer “Verkaufsveranstaltung für Uhren” spricht, erklärt sich so noch nicht) Ob Berisha mit falschen Karten gespielt hat oder nicht, bleibt vorläufig ungeklärt.
Auf Indymedia heißt es:
Mehrmals äußerte er [der Besitzer], dass er nichts gegen die NPD hätte und die NPD künftig sein Lokal für Veranstaltungen durchaus nutzen könne.
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Nach dem, was einschlägige Webseiten und das Rauschen der eMail-Verteiler vermelden, will sich die NPD am kommenden Sonntag, den 29. August 2010 in Soltau auf die Kommunalwahlen im September 2011 vorbereiten.
Wie sich herausfinden ließ, wurden die Räume im Soltauer Restaurant Landhaus Eden offenbar unter dem Vorwand einer Verkaufsveranstaltung gemietet. Ein offizielles Statement des Besitzers steht aber noch aus.
Bürger, die ihre demokratischen Sinne noch beisammen haben, wollen sich am Sonntag um 9.00 Uhr vor dem Landhaus in Soltau-Harber treffen, um den NPDlern ihr Unerwünschtsein nahezubringen – falls nicht die Bereiber der Lokalität eine Möglichkeit finden, der NPD den Zutritt zu den offensichtlich mit falschen Angaben gebuchten Räumen zu untersagen. Wie es in einer eMail heißt, ist das Mitbringen von Transparenten sehr erwünscht.
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Die bayrische NPD haut in einer Meldung vom 13.7.2010 die Erkenntnis heraus »Länder-Schulleistungsvergleich bestätigt Reichswehr-Einstellungstests«.
Unter dieser Überschrift erklärt sie quasi alle Menschen mit Herkunft nördlich des Weisswurst-Äquators für naturblonde Volldeppen, bei denen Hopfen und Malz verloren und PISA-technisch eh kein Blumenpott zu gewinnen ist.
Nach zig diffamierenden Äußerungen zur angeblichen Überfremdung der Schulklassen kommt ein viel grundsätzlicheres und formschönes Argument zur Sprache:
Bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war den Werbeoffizieren der Reichswehr daher bekannt, daß die Bayern, Baden-Württemberger, Thüringer und Sachsen im Durchschnitt „schlauer“ waren, als Norddeutsche. Liberalisten und Internationalisten werden diese Erkenntnisse natürlich nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie aus ideologischen Gründen an der angeblichen Gleichheit aller Menschen festhalten müssen.
Menschen sind gleich vor Gott und dem Gesetz, ansonsten sind sie sehr unterschiedlich, selbst innerhalb eines Volkes.
Was könnte uns die bayrische NPD damit sagen wollen? Vermutlich dieses:
»Liebe Ausländer, ihr seid nicht das eigentliche Problem. Überfremdet unsere Schulen ruhig weiter, vor allem die im Norden. Dass Hamburger und Bremer so schlechte Schüler sind, dafür könnt ihr nichts, dafür können sie noch nicht mal selber was, denen ist auch nicht mehr zu helfen. Die Nordlichter sind halt ne doofe Rasse. Eigentlich sind diese ganzen nordischen, blonden und blauäugigen Herrenmenschen sowieso völlig degeneriert. Wir wissen auch nicht, warum der Führer sie so geil fand. Ist ja auch egal, wen schert schon der Führer. Uns waren die Preussen immer schon suspekt…«
Man könnte fast drüber lachen, wenn nicht auch solche Sätze in der Meldung drin stehen würden:
Aus diesen Gründen wird man mit noch so vielen (nicht mehr vorhandenen) Milliarden Euro ganz bestimmten Ausländergruppen keine Intelligenz vermitteln können, weil diese angeboren ist.
Wo fängt eigentlich solche Diffamierung an, Volksverhetzung zu werden?
(via NPD-Blog)
Wo wir grad bei Gewalt und fragwürdiger Rolle der Polizei waren: da ist am letzten Wochenende in der Nähe von Tostedt (sozusagen unserer indirekten Nachbarstadt) folgendes passiert:
In der Gemeinde Wistedt (Niedersachsen) dringt vergangenen Sonntag in den frühen Morgenstunden eine Horde vermummter Neonazis in eine WG ein, in der politische Gegner vermutet werden. Die Nazis schlagen mit brachialer Gewalt u.a. mittels Spaten auf Köpfe und Körper ein – zwei der Angegriffenen müssen schwerverletzt ins Krankenhaus.
(…)
Hinter den Angriffen stecken offensichtlich seit langem organisierte Nazi-Strukturen, wie aus Berichten antifaschistischer Recherche-Seiten hervorgeht. Dass dieser brutale Angriff so ungehindert hat stattfinden können, scheint auch eine Folge davon zu sein, dass in der Öffentlichkeit – seitens der Presse oder der Kommunen – keine Diskussion über die Gefährlichkeit der organisierten Nazi-Szene geführt wird – das Problem wird wie so oft verschwiegen.
Hinzu kommt, dass insbesondere von polizeilicher Seite entpolitisiert wird. Organisierte Angriffe nationalsozialistischer Schlägertrupps auf linke Jugendliche werden als “Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden” verharmlost. In solch einem Klima der Anonymität und des Wegsehens können sich die menschenverachtenden Nazi-Banden natürlich weitgehend sicher fühlen und ungehindert mittels Terror ihren “Kampf um die Straße” führen.
(Quelle: Störungsmelder/Zeit.de)
Recherce Nord weiß mehr:
Nur wenige Wochen zuvor ereignete sich eine ähnliche Tat im nahe gelegenen Hollenstedt, als vermummte Neonazis ins Innere einer Wohnung eindrangen. Die bewaffneten Angreifer agierten ebenso gewaltbereit wie kompromisslos, schlugen und traten gezielt auf die Köpfe der am Boden liegenden Personen ein und verletzten diese zum Teil schwer. Auch hier galt die Attacke politischen Gegner_innen
(…)
Als Reaktion auf die Ereignisse des Vortages formierte sich am gestrigen [Pfingst]Montag eine Spontandemonstration in Tostedt. In Sprechchören wurde auf die gewaltsamen Aktivitäten der Neonaziszene aufmerksam gemacht. Deren AnhängerInnen hatten sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ladengeschäft „Streetwear-Tostedt“, einem neonazistischen „Szeneladen“ im benachbarten Todtglüsing versammelt. Unter ihnen auch Mitglieder der sogenannten „Snevern Jungs“, einer als gewaltbereit geltenden Neonazigruppierung aus Schneverdingen. Als sich der antifaschistische Demonstrationszug dem Gebäude näherte, griff die Polizei ein und umstellte die Demonstration.
Da wären sie wieder, unsere Snevern Jungs. Dabei hörte ich vor wenigen Tagen noch jemanden sagen, es gäbe sie so richtig gar nicht mehr. Aber standen sie nicht kürzlich noch bei der Demo in Buchholz auf dem Bahnsteig? Möglicherweise nicht die erste Garde und neue Gesichter, aber als ob das Grund für weniger Sorge wäre. weiterlesen…
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