Vor ein paar Wochen hats mich erwischt: ich habe mich dem Gesichtsbuch angenähert, zunächst nur aus beruflichen Gründen. Und bin – trotz aller Gegnerschaft in Sachen Datenschutz und Privacy – relativ begeistert, dass man damit tatsächlich arbeiten kann.
Verblüfft und erschrocken hat mich aber, wie radikal FB das Crowdsourcing in Sachen Gesichtserkennung praktiziert. Beispiel: Der Versuch, sich im Ausland einzuloggen führte dazu, dass ich mehrere »Freunde« auf Fotos identifizieren mußte. Super, wenn das mehrheitlich Leute sind, die man eher vom Namen her kennt. Oder deren Bildverlinkungen auf Stofftieren plaziert wurden. Und natürlich kann man selbst das verlinkt werden nicht abschalten. Wenn man auf einem Bild verlinkt worden ist, hat Facebook ja schon gewonnen (sprich: personalisierte biometrische Informationen frei Haus geliefert bekommen). Das nachträgliche Löschen von Markierungen oder Bildern hilft mit Blick auf die Datensammlung, die dort entsteht, nur wenig. Vielleicht sollte man sich konsequent gegenseitig falsch verlinken. Und sich dann nie mehr vom Ausland aus einloggen…
Der Upload auf Webseiten, Dienste oder Networks, die mit Gesichtserkennung arbeiten, ist grundsätzlich untersagt. Das ist zum Beispiel bei Facebook und zum Teil auf Picasa der Fall. Einzige Ausnahme hier: Du bist entweder alleine auf dem Foto zu sehen oder hast alle anderen abgebildeten Personen gefragt oder hast alle anderen Personen auf dem Bild unkenntlich gemacht (z.B. wirksam verpixelt; ein Balken vor die Augen ist z.B. keine wirksame Unkenntlichmachung!).
Wer also sein eigenes Gesicht weiterhin dem Gesichtsbuch zum Fraß vorwerfen möchte, weiß hoffentlich was er tut. Er sollte aber andere davor verschonen.
Januar 2012. Anfang des Jahres zählt Facebook weltweit über 1,3 Milliarden Mitglieder. Im Herbst des Vorjahres war das Unternehmen an die Börse gegangen. Der Wert von Facebook wird jetzt auf $180 Mrd. taxiert. Erst kürzlich kaufte das Unternehmen Google; und zwar aus der Portokasse.
Facebook ist im Begriff, nicht nur zum Synonym für das Internet zu werden, sondern das Internet selbst zu ersetzen. Kinder wachsen längst im Glauben auf, dass man eine E-Mail-Adresse nur für die einmalige Registrierung bei Facebook braucht und danach nie wieder, weil eine Kommunikation außerhalb des Facebook-Kosmos zwar möglich, aber sinnlos ist.
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Aber am 18. Januar 2012 ereignet sich dann etwas anscheinend völlig Belangloses auf Twitter; dem letzten relevanten und noch eigenständigen Player im Netz. Ein Nutzer schreibt folgenden, witzig gemeinten Tweet…
So beginnt eine kurze Geschichte von Michael Bukowski über den Auftakt zum 1. Daten-Weltkrieg im Jahr 2012. Weiterzulesen beim Fontblog…
Nach der Aufregung der vergangenen Monate fällt die Zahl der Widersprüche mit der Drei-Prozent-Quote deutlich geringer aus als es einige Umfragen nahelegten. So hatte zum Beispiel eine Emnid-Erhebung im Auftrag der Bild am Sonntag ergeben, 52 Prozent der Deutschen seien gegen die Abbildung ihrer Wohnung oder ihres Hauses in Street View. Google habe exakt 244.237 Anträge erhalten, schrieb der verantwortliche Produktmanager Andreas Türk. Das entspreche 2,9 Prozent der Haushalte in den 20 Städten.
Die genannte Umfrage könnte schon als Hinweis dienen, dass die Fragestellung falsch ist. Bin ich so dagegen, dass ich mir die Mühe mache, das auch ausdrücklich zu sagen, einen Brief zu schreiben, mich bei Google registrieren zu lassen? Warum muß ich eigentlich sagen »ich will nicht«? Warum muss Google nicht fragen »darf ich«? Auch aus Privacy-Gründen scheint geboten, dass Personen vor einer umfassenden Datenerfassung, in der sie auftauchen sollen, gefragt werden. Warum sollte Street View oder auch für Facebook nicht gelten, was bei Werbepost geltendes Recht ist: Opt-in statt Opt-out.
Zwischenzeitlich ärgern wir uns weiter über »Tatort Internet«, freuen uns über die Protestwelle (die zeigt, dass das eigene Unbehagen gegenüber diesem Format noch von anderen Menschen geteilt wird), finden gut, dass sie die Medienaufsicht erreicht und staunen dann nebenbei über einzelne Details von hinter den Kulissen. Was für eine üble Promo-Show für dieses obskure Kinderhilfs-Startup namens »Innocence in Danger« und die von ihr unterstützte, kostenpflichtige (14 Cent die Minute!) Info-Hotline NINA. Ich denke, die Einblendung »Dauerwerbesendung« wäre gerechtfertigt.
An wem die Diskussion der letzten Tage vorbeigegangen ist: hier sind einige Einstiegslinks. Darin ist eigentlich alles gesagt.