Ok, der dritte Sterne-related Post in Folge. Reicht dann auch erstmal. Frank Spilker arbeitet sich im taz-Popblog Monarchie & Alltag durch Christian Ihle’s Musik-Fragebogen.
Bei der hinterlistigen Frage »Tocotronic oder Blumfeld – und warum?« wird die Klippe zunächst geschickt umschifft, um im letzten Satz dann doch den ehemaligen Labelgenossen zu versenken:
Die Frage ist soo neunziger. Aber selbst dann hätte ich gesagt: Ich finde es bei beiden Bands toll, das sie sich in einen internationalen Bezugsrahmen setzen anstatt etwas originär hamburgisches oder deutsches kreiren zu wollen. Tocotronic waren eher Grunge und Blumfeld Sonic Youth oder My bloody Valentine. Mit der Illusion man könnte auch international Erfolg haben ist aber im Laufe der Zeit bei beiden Bands auch dieses In-Bezug-setzten verloren gegangen. Schade. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen: Lieber Sondre Lerche als Jochen Distelmeyer.
Ob man da eine Spitze herauslesen kann?
Mir allerdings sagte bis eben grad Sondre Lerche gar nix. Noch so ein hörenswerter Norweger…
Donnerstag abend spielte Shaun Bartlett im Hamburger Knust als Support vor Minor Majority. Solo, nur mit der Gitarre (und für einen Song mit dem Piano von MM) bewaffnet. Sympathischer Mensch mit Standup-Qualitäten und einigen schönen Songs im Gepäck. Ich konnte nicht gehen ohne seine aktuelle CD vom Merchtisch mitzunehmen.
Zu meinem persönlichen Entsetzen ist mir aufgefallen, dass der Mann sich von Konserve hin und wieder gefährlich nach Jack Johnson anhört. Nun kann ich aus gutem Grund über Jack Johnson nicht viel sagen: ich mag ihn nicht. Zu entspannt, zu entrückt, zu viel Sonne aufs Hirn. »Jack Johnson gilt als der Inbegriff von Freude, Sonne, Sommer, Strand und unbekümmerten Surferfeeling.« las ich grad. Grundsätzlich schon ok, verströmt aber als Grundhaltung biedermeierliches Narkotikum, dass ich nur schwer ertragen kann, da würd ich doch gerne mal ein Streichholz an die Strandhütte legen.
Shaun Bartlett kommt nicht von Hawaii, sondern ist ein in Bahrain und Norwegen aufgewachsener Brite, der Solo sehr chilligen lofi-Pop macht, im Gegensatz zu dem härteren Output seiner früheren Band Yelp. Er fröhnt Outdoor-Freuden (Kilimandscharo-Tour!), hat zwei Soundtracks für Basejump-Filme beigesteuert und ein paar Songs für den Film »Das Orangenmädchen«. Ansonsten hab ich nicht so viel über ihn im Netz gefunden, selbst die Bio auf der Seite seines Labels ist nicht so ganz up to date.
Das aktuelle Album »Shrink the city to a light« ist bei den Amazonen nur als mp3 erhältlich und (leider nicht ganz preiswert) bei CDON. Reinhören in »Secret Mission« und »Miles from the City Lights«.
Als ich das letzte mal geguckt hab, waren noch keine Termine da. Nun aber: meine aktuellen Lieblingsnorweger von Minor Majority kommen im Februar 2010 für einige Termine nach Deutschland.
Jetzt muß ich mich eigentlich nur noch entscheiden, ob Hamburg oder Bremen. Vermutlich wird’s auf HH hinauslaufen, liegt einfach günstiger. Montag gleich mal den eventim-Ausdrucker in der Heideblüten-City überfallen und Ticket gönnen. Wer kommt mit?
Dazu passend: eine »Lavomatik Session« mit MM’s Pål Angelskår. Das Konzept scheint zu sein, einen Künstler zu einer Akustik-Session in einen Pariser Waschsalon zu locken. Leider verliert der Song in der Ein-Mann-Version etwas gegenüber der Albumaufnahme. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass »Either Way I Think You Know« ein ganz großartiges Album ist? Bin versucht zu sagen: besser als »Up for you & I«.
»And when you’re back on solid ground
you miss the fear of falling down.
There are things I though I couldn’t lose
that have no value to me now.«
… im Pampablog. Heute Mittag lag neben einem IKEA-Prospekt ein Paket aus Schweden im Briefkasten: erfolgreicher Abschluß einer zunächst gescheitertern Online-Bestellung bei CDON (Merken: 3rd party cookies anschalten, dann klappts auch mit dem Bezahlen). Drin war dies:
Ein kleines Post-a-ha-Kennenlern-Paket mit je einem Solo-Alben von Morten Harket (Letter from Egypt, 2008), Magne Furuholmen (Past Perfect Future Tense, 2004) und Savoy, der Band von Pal Waaktaar-Savoy (Savoy, 2004). Stelle grad fest, dass ich doch nicht die Furuholmen-CD bestellt hab, wo die Blaupause für a-ha’s Foot on the Mountain drauf ist, quasi das globale Recyling für einen bisher nur lokal bekannten Song.
Hanne Hukkelberg – Rykestraße 68 von 2006. Kaufgrund war neben dem Niceprice vor allem ihre wunderschöne Version des Pixies-Songs »Break my Body«, die vor einigen Zeiten mal als Promo-mp3 durchs Netz geisterte. Bin gespannt auf den Rest. Und der Albumtitel schreibt sich tatsächlich mit »ß«.
Schließlich der Grund für alledem: Either Way I Think You Know von Minor Majority. Läuft grad und klingt wie MM; keine großen musikalischen Überraschungen so far. Mal abgesehen davon, dass die Bottleneck-Guitar in “Try me” sowie alle Country-Anleihen natürlich absolut überflüssig sind, aber die scheinen die Ausnahme zu sein. Als Ausgleich gibts dominantere Gitarren in Tracks, die mehr Rock als Folk sind, wie zum Bespiel im Titelsong. Strangeways/Indigo wollen ja frühstens im Januar 2010 das Album in Dland rausbringen. Für die Wartezeit Reinhörtips aus dem Backkatalog: “Up for You & I” als Album (neben der Best-Of “Candy Store”). Songs: As Good As It Gets, The Dark Half, Take It In, Henry’s Fuck Up, (Think I’m) Up For You & I, Singalongsong.
Schon etwas älter (2002) und daher nicht ganz so repräsentativ für das aktuelle Album: Dancing in the Backyard mit stimmlicher Verstärkung durch Karen Jo Fields.
Die norwegisch Band a-ha hat gestern ihre Auflösung bekannt gegeben. Die bereits angekündigte Welttournee für 2010 wird zugleich das 25jährige Jubiläum ihres Debüt-Albums »Hunting high and low« sowie ein Abschied von den Fans sein. Abschlußkonzert am 4. Dezember 2010 in Oslo, danach ist Ende.
Im Mai/Juni 2010 wollen sie noch einmal nach Europa kommen und u.a. Festivals bespielen. Aufgrund der Unwahrscheinlichkeit, dass sich ein tba Konzerttermin in diesem Zeitraum mit meinem Kalender vereinbaren lässt, hab ich entschlossen, sie lieber in diesem Herbst live sehen zu wollen, bevor sie nicht mehr sind. Reguläre Tickets für Oktober/November gibts noch für Berlin, Hannover und Erfurt.
a-ha gingen den Weg vieler Pop-Bands, die nach ihrem erfolgreichem Debüt zwar eine Reihe großartiger Songs und Alben hingelegt haben, der Chartshow-Zielgruppe dann aber entwuchsen, ohne von Freunden anspruchsvollerer Musik ernstgenommen zu werden. Zu unrecht. Scoundrel Days (1986), East of the sun… (1990) und Minor Earth Major Sky (2000) sind herausragende Alben, How Can I Sleep with your Voice in my Head (2003) eine als Live-Album getarnte Greatest-Hits-Compilation (fast) ohne Durchhänger. Sänger Morten Harket hält den Rekord für die längste gehaltene Note (20.2 sec) in einem Top40-Song. Über den Haupt-Songwriter der Band, Pål Waaktaar-Savoy, steht in der Wikipedia der schöne Satz »Once “Q Magazine” named him as one of the best unknown lyricists of his generation.«
»I reached inside myself and found
Nothing there to ease the
Pressure of my ever worrying mind
All my powers waste away
I fear the crazed and lonely
Looks the mirror’s sending me these days«
The Sun always shines on TV – Live 2007 in Kiel bei einem Gratis-Konzert. Sehr ungewöhnlicher Anfang – und beim Gitarrenwechsel vergisst der Mischer zunächst, den Regler für die E-Klampfe von Waaktaar hochzuziehen… Shit happens. Freu mich auf das Konzert in Hamburg in zwei Wochen.
Nachtrag: Einen schönen »Nachruf« hab ich grad im Rheinzeitungs-Blog gefunden. Tim Kosmetschke schreibt dort:
Mein Bild von dieser „Mädchenband“ änderte sich außerdem durch die Erkenntnis, dass sich zum Beispiel Coldplay ganz offen auf a-ha beziehen. Das erscheint – beim genaueren Nachdenken – absolut nachvollziehbar. Coldplay haben dieselben schlauen Melodien und dieselbe Eleganz. Dazu freilich noch die Coolness des Britpop und dessen Rock-Attitüde. Wobei auch a-ha wissen, wie man mit Gitarren umgeht.