Die bayrische NPD haut in einer Meldung vom 13.7.2010 die Erkenntnis heraus »Länder-Schulleistungsvergleich bestätigt Reichswehr-Einstellungstests«.
Unter dieser Überschrift erklärt sie quasi alle Menschen mit Herkunft nördlich des Weisswurst-Äquators für naturblonde Volldeppen, bei denen Hopfen und Malz verloren und PISA-technisch eh kein Blumenpott zu gewinnen ist.
Nach zig diffamierenden Äußerungen zur angeblichen Überfremdung der Schulklassen kommt ein viel grundsätzlicheres und formschönes Argument zur Sprache:
Bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war den Werbeoffizieren der Reichswehr daher bekannt, daß die Bayern, Baden-Württemberger, Thüringer und Sachsen im Durchschnitt „schlauer“ waren, als Norddeutsche. Liberalisten und Internationalisten werden diese Erkenntnisse natürlich nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie aus ideologischen Gründen an der angeblichen Gleichheit aller Menschen festhalten müssen.
Menschen sind gleich vor Gott und dem Gesetz, ansonsten sind sie sehr unterschiedlich, selbst innerhalb eines Volkes.
Was könnte uns die bayrische NPD damit sagen wollen? Vermutlich dieses:
»Liebe Ausländer, ihr seid nicht das eigentliche Problem. Überfremdet unsere Schulen ruhig weiter, vor allem die im Norden. Dass Hamburger und Bremer so schlechte Schüler sind, dafür könnt ihr nichts, dafür können sie noch nicht mal selber was, denen ist auch nicht mehr zu helfen. Die Nordlichter sind halt ne doofe Rasse. Eigentlich sind diese ganzen nordischen, blonden und blauäugigen Herrenmenschen sowieso völlig degeneriert. Wir wissen auch nicht, warum der Führer sie so geil fand. Ist ja auch egal, wen schert schon der Führer. Uns waren die Preussen immer schon suspekt…«
Man könnte fast drüber lachen, wenn nicht auch solche Sätze in der Meldung drin stehen würden:
Aus diesen Gründen wird man mit noch so vielen (nicht mehr vorhandenen) Milliarden Euro ganz bestimmten Ausländergruppen keine Intelligenz vermitteln können, weil diese angeboren ist.
Wo fängt eigentlich solche Diffamierung an, Volksverhetzung zu werden?
Wo wir grad bei Gewalt und fragwürdiger Rolle der Polizei waren: da ist am letzten Wochenende in der Nähe von Tostedt (sozusagen unserer indirekten Nachbarstadt) folgendes passiert:
In der Gemeinde Wistedt (Niedersachsen) dringt vergangenen Sonntag in den frühen Morgenstunden eine Horde vermummter Neonazis in eine WG ein, in der politische Gegner vermutet werden. Die Nazis schlagen mit brachialer Gewalt u.a. mittels Spaten auf Köpfe und Körper ein – zwei der Angegriffenen müssen schwerverletzt ins Krankenhaus.
(…)
Hinter den Angriffen stecken offensichtlich seit langem organisierte Nazi-Strukturen, wie aus Berichten antifaschistischer Recherche-Seiten hervorgeht. Dass dieser brutale Angriff so ungehindert hat stattfinden können, scheint auch eine Folge davon zu sein, dass in der Öffentlichkeit – seitens der Presse oder der Kommunen – keine Diskussion über die Gefährlichkeit der organisierten Nazi-Szene geführt wird – das Problem wird wie so oft verschwiegen.
Hinzu kommt, dass insbesondere von polizeilicher Seite entpolitisiert wird. Organisierte Angriffe nationalsozialistischer Schlägertrupps auf linke Jugendliche werden als “Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden” verharmlost. In solch einem Klima der Anonymität und des Wegsehens können sich die menschenverachtenden Nazi-Banden natürlich weitgehend sicher fühlen und ungehindert mittels Terror ihren “Kampf um die Straße” führen.
Nur wenige Wochen zuvor ereignete sich eine ähnliche Tat im nahe gelegenen Hollenstedt, als vermummte Neonazis ins Innere einer Wohnung eindrangen. Die bewaffneten Angreifer agierten ebenso gewaltbereit wie kompromisslos, schlugen und traten gezielt auf die Köpfe der am Boden liegenden Personen ein und verletzten diese zum Teil schwer. Auch hier galt die Attacke politischen Gegner_innen
(…)
Als Reaktion auf die Ereignisse des Vortages formierte sich am gestrigen [Pfingst]Montag eine Spontandemonstration in Tostedt. In Sprechchören wurde auf die gewaltsamen Aktivitäten der Neonaziszene aufmerksam gemacht. Deren AnhängerInnen hatten sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ladengeschäft „Streetwear-Tostedt“, einem neonazistischen „Szeneladen“ im benachbarten Todtglüsing versammelt. Unter ihnen auch Mitglieder der sogenannten „Snevern Jungs“, einer als gewaltbereit geltenden Neonazigruppierung aus Schneverdingen. Als sich der antifaschistische Demonstrationszug dem Gebäude näherte, griff die Polizei ein und umstellte die Demonstration.
Da wären sie wieder, unsere Snevern Jungs. Dabei hörte ich vor wenigen Tagen noch jemanden sagen, es gäbe sie so richtig gar nicht mehr. Aber standen sie nicht kürzlich noch bei der Demo in Buchholz auf dem Bahnsteig? Möglicherweise nicht die erste Garde und neue Gesichter, aber als ob das Grund für weniger Sorge wäre. weiterlesen…
Bereits im Dezember 2009 hatte die rechtsradikale NPD in Buchholz/Nordheide eine Demonstration angemeldet, die aber kurzfristig abgesagt wurde. Jetzt wagen die tarndemokratischen Nazis einen zweiten Anlauf. Die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen vermeldete heute:
Für den 3. April 2010 ruft die neofaschistische NPD zu einer Kundgebung im niedersächsischen Buchholz in der Nordheide auf. Unter dem rassistischen Motto “Kriminelle Ausländer ausweisen” kündigt der Unterbezirk Lüneburg der niedersächsischen NPD diese Veranstaltung in Buchholz an.
Auf Indimedia sind weitere Hintergründe zu lesen, unter anderem:
Um die Nazikundgebung zu beantworten, hat sich in Buchholz ein recht breites Bündnis zusammengefunden, um eine gemeinsame Kundgebung durchzuführen. Auf Einladung des Oberbürgermeisters und des DGB, kamen Vertreter_innen von SPD, FDP, CDU, Partei die Linke, den Grünen, der Feuerwehr, Jungen Union, Amnesty International, „Gesicht Zeigen“, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen zusammen, um eine gemeinsame Veranstaltung für den Ostersamstag vorzubereiten. Nach längerer diskussion und verschiedenen Ideen, wurde sich auf eine gemeinsame Kundgebung (mit Musik und Trallala) vor dem Buchholzer Rathaus geeinigt.
Angenehm bunte Mischung, wie sie nicht überall gelingt.
Wer regionalen Bezug hat und am Karsamstag noch nichts vor: auf nach Buchholz.
Und nicht provozieren lassen. Dresden war doch ein schönes Zeichen, dass zur Abwechslung mal nur die Nazis dumm und deplaziert dastanden – und nicht wie häufig Antifa und Gegendemonstranten als die größeren Störenfriede dargestellt werden konnten.
Ein Statement gegen die lokalen rechtsdrehenden Elemente: Die French Fries Gone Bad und ZSK in der Schneverdinger FZB im April 2005. Vermutlich gab es auch noch mindestens eine weitere Band, die aber nicht im Bild festgehalten wurde.
Als wir in Heideblüten-City vor einigen Jahren versuchten, mit viel Engagement sehr unterschiedlicher Leute ein Bürgerbündnis gegen lokale braune Umtriebe auf die Beine zu stellen, bließ uns zuweilen schon ein seltsamer Wind entgegen, der da hieß: wenn wir den Support vom Bürgermeister (CDU) haben wollen, dann muss das Bürgerbündnis sich gegen jede Form von politischen Extremismus positionieren: also auch gegen den von links. Nun war zu keinem Zeitpunkt zu erwarten, das marodierende Antifa-Horden die Stadt in Schutt und Asche legen würden. Im Gegensatz zu den Jungs von Rechtsaußen, bei denen man nicht zweimal fragen muß, um eine Party gesprengt oder menschenverachtendes Gedankengut praxisnah präsentiert zu bekommen. Ich und diverse andere haben das für eine seltsame, aber lokal begrenzte Einzelmeinung gehalten, die unsere Arbeit mit dem klaren Focus gegen Rechts ansonsten nicht beeinträchtigt hat.
Umso mehr gruselt mich, was ich grad von unserer neuen Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) lesen mußte. Geht ja schon ne Weile in diese Richtung, aber das setzt für mich nochmal einen drauf:
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend trägt das Programm für Demokratie, Vielfalt und Toleranz mit. Seit 2001 wurden durch das Programm unterschiedliche Projekte und Initiativen bei ihren Bemühungen für Demokratie und im Kampf gegen Rechtsextremismus unterstützt. Laut den Grünen plant die Ministerin jetzt aber für die neue Förderperiode ab 2011 Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und Verfassungsschutz über eine Regelüberprüfung aller Initiativen zu führen.
Spannend dabei ist, dass…
a) … ganz klar die Botschaft mitschwingt, die seit einigen Wochen aus Berlin zu hören ist: im Zweifelsfall ist die Antifa genauso schlimm wie die Nazis. Oder sogar noch schlimmer (sieheDresden). Wer sich gegen Nazis wehrt, macht sich verdächtig, ein Extremist zu sein, schließlich hat er nicht nur ‘passiv’ eine Meinung, sondern geht auch noch aktiv gegen Andersdenkende vor. Da der (nicht mehr ganz so) neue, freundliche Faschismus auch äußerlich eher harmlos daherkommt, sind es natürlich die bösen Linken, die das bürgerliche Gesamtbild stören.
b) … unsere Initiative kürzlich doch glatt zweimal ein bisschen Geld für ihre erfolgreiche Arbeit einstreichen durfte. Von mehr oder weniger staatlichen Stellen. Wenn ich jetzt das hier lese…
Es sei gängige Praxis, dass Projekte und Initiativen im Falle einer staatlichen Förderung oder Auszeichnung vom Verfassungsschutz des Bundes und der Länder überprüft würden.
… kommt in mir ein leiser Verdacht auf. Man gibt einer Initiative eine Auszeichnung und etwas Cash dazu – und erwirbt sich somit das Recht, deren Aktive vorab auf ihre Verfassungstreue zu durchleuchten, sie sich ahnungslos über die Blumen und den Scheck freuen. In welchem Umfang da wohl gecheckt wird? Einerseits verständlich, dass man wissen will, wen man da sponsort, aber dass man da gleich den Verfassungsschutz bemühen muß? Ich spür grad so nen leichten Hauch von Überwachungs… Aber vielleicht zieht’s auch nur grad kalt von draussen rein.
Ob man mir daraus jetzt einen Strick drehen kann? Aufruf zur Gewalt? Nazis erschießen? Steht mein Server in Sachsen..?
Come on, mal abgesehen davon, dass ich den Kriegsdienst mit gutem Grund verweigert habe: das letzte, was die Rechten brauchen, sind Märtyrer. Für so clever darf man sogar Hardcore-Antifas halten. Außerdem hat das der WDR gesendet. Von meinen verfassungsgemäß gezahlten Gebühren. ^^ Und nachträglich zum Holocaust-Gedenktag sollte das doppelt ok gehen. Auschwitz wurde schließlich auch nicht durch Lovebombing befreit…
Die Kampagne “Kein Bock auf Nazis” hat die Löschung des Markennamen “Hardcore” erreicht. Ein Neonazi aus Niedersachsen hatte den Begriff beim Markenamt für eine Kleidungsmarke angemeldet. Dieser Eintrag wurde nach Angaben des Anwalts von “Kein Bock auf Nazis” am 28. Dezember 2009 offiziell gelöscht.
Das nach dem Verbot der »Heimattreuen Deutschen Jugend« rechtsradikale Familien ihre Kinder nicht zu den Pfadfindern schicken würden, war zu erwarten. Ein neues Sammelbecken für »rechte Brutpflege« entsteht. Erkennungszeichen: Schwarzer Vogel auf weiß-rotem Grund.
Seit über zwanzig Jahren richtet der “Sturmvogel” Fahrten und Lager für Kinder und Jugendliche aus. “Singen, wandern, toben”, so wirbt der “Sturmvogel” 2009 für ein “Wochenendlager” bei Nordhausen, deren Einladungen auch an Neonazi-Familien in Thüringen gegangen sein sollen. Nur nach Rücksprache durfte die Einladung weitergegeben werden. Ähnlich wie die kürzlich verbotene “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) ist die Gruppe eben sehr bemüht, ihre Aktivitäten geheim zu halten. Anfang 2009 hat das Bundesinnenministerium die HDJ, die ebenso mit der WJ eng verwurzelt war, verboten.
Trotzdem: “Der ,Sturmvogel’ ist kein Beobachtungsobjekt”, sagt ein Sprecher des Bundesamts für Verfassungsschutz (VS) der taz. Mitte der 90er-Jahre erklärte das Bundesinnenministerium aber, dass der “Sturmvogel” “Anhaltspunkte für rechtsextreme Bestrebungen” aufwies.
Ok, bis vor ner Stunde wusste ich noch nicht mal, dass es es sowas überhaupt gibt, aber warum soll es keine Flirt- und Partnerbörse für Nazis geben. Also nicht wundern, nur staunen. Zum Beispiel darüber, wie offen verfassungsfeindlich es da zugeht. Eine Fotostrecke auf CHILLI vom April 2009 (via) dokumentiert das recht ausführlich.
Dieser Tage ist in Berlin der 26C3 (aka der 26. Chaos Communication Congress) des Chaos Computer Clubs. Und man ahnt, da bleiben Defacements nicht aus: Admins, bringt eure Server in Sicherheit. Am besten alles gleich ausschalten und auf die Bäume flüchten.
Erstes (?) Opfer ist oben erwähnte Nazi-Partnerbörse. Im Wiki des 26C3 gibt es die Seite in Einzelteilen, u.a. die Datenbank und die populärsten Passwörter (sehr kreativ!). Bei F!XMBR und heise.de gibt es weitere Informationen, hier mag ich die Seite mit dem Hack nicht verlinken. Ein Datenschutz-GAU. Der Affe ist von der Startseite mittlerweile verschwunden, aktuell klafft da dein großes Loch und man kann in die Ordnerstruktur blicken.
Eine klammheimliche Freude überfällt einen hinterrücks, denn es hat ja die rechtsdrehende Zunft erwischt, auch wenn gar nicht klar ist, ob irgendwer mit den Daten irgendwas anfangen könnte (jedenfalls irgendetwas, das man nicht auch als registierter Nutzer anfangen könnte – die haben doch da wohl nicht ihre Wohnadressen eingetragen, oder?).
Seitdem vor einigen Jahren mal mein Webhoster Opfer eines CCCongress-Hacks geworden ist und diverse von mir betreute Seiten betroffen waren, ist mir bei solchen Aktionen immer etwas seltsam zumute. Lediglich die Startseite war damals zerschossen und mit einem kleinen Gruß versehen, der Rest noch intakt. Seit dem Zuck ich immer etwas, wenn zum Jahreswechsel vom Kongress berichtet wird, war damals ein ziemlicher Aufwand, aus dem Urlaub und fern eines benutzbaren PCs zu sehen, was überhaupt Sache ist und die Seiten zumindest grob zu flicken. Ein Schuss vor den Bug, ein fast noch freundlicher Hinweis, dass hier jemand mit der Sicherheit geschlampt hatte.
Aber man weiss ja: es gibt keine Sicherheit. Alles eine Frage, des Aufwandes, den jemand treiben will. Ob nun bei Flugzeugen oder Webservern. Serverlöcher nutzen, um Communitydaten zu spreaden? Man würde auch keine Boeing in die Luft sprengen, nur um zu zeigen, dass es möglich ist.
… wenn genug Leute sich vor einen Karren spannen lassen: ein obskures Druckerei-Eigenwerbung-’Blog’ lockt mit ziemlich profanen aber kostenlosen Twitter-Wandkalendern und zig Blogger ziehen mit.
Die erstenPaketescheinenangekommen zu sein. Und siehe da: überall waren mehr Kalender drin als versprochen. Scheint ja doch noch was übrig gewesen zu sein, der Hype nicht ganz so fett wie erhofft?
Schlimmer jedoch, was mir bei der Gelegenheit aufgefallen ist: dass es genug Vollpfosten gibt, die eine deutlich rechtslastige, braungefärbte und zutiefst menschenverachtende Seite der Nazi-’Intelligenzia’ (geht das?) in die Blogcharts hiefen. Man kann gar nicht soviel essen…
hallo echo…