Stress läßt Schüler saufen (Süddeutsche).
Meine Rede seit Jahren. Weiterhin viel Spaß mit G8 und so…
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Stress läßt Schüler saufen (Süddeutsche). Meine Rede seit Jahren. Weiterhin viel Spaß mit G8 und so…
Unter dieser Überschrift erklärt sie quasi alle Menschen mit Herkunft nördlich des Weisswurst-Äquators für naturblonde Volldeppen, bei denen Hopfen und Malz verloren und PISA-technisch eh kein Blumenpott zu gewinnen ist. Nach zig diffamierenden Äußerungen zur angeblichen Überfremdung der Schulklassen kommt ein viel grundsätzlicheres und formschönes Argument zur Sprache:
Was könnte uns die bayrische NPD damit sagen wollen? Vermutlich dieses: »Liebe Ausländer, ihr seid nicht das eigentliche Problem. Überfremdet unsere Schulen ruhig weiter, vor allem die im Norden. Dass Hamburger und Bremer so schlechte Schüler sind, dafür könnt ihr nichts, dafür können sie noch nicht mal selber was, denen ist auch nicht mehr zu helfen. Die Nordlichter sind halt ne doofe Rasse. Eigentlich sind diese ganzen nordischen, blonden und blauäugigen Herrenmenschen sowieso völlig degeneriert. Wir wissen auch nicht, warum der Führer sie so geil fand. Ist ja auch egal, wen schert schon der Führer. Uns waren die Preussen immer schon suspekt…« Man könnte fast drüber lachen, wenn nicht auch solche Sätze in der Meldung drin stehen würden:
Wo fängt eigentlich solche Diffamierung an, Volksverhetzung zu werden? (via NPD-Blog) Die Süddeutsche berichtet von einer Studie, die festgestellt haben will, dass Gespräche zwischen Lehrern und Eltern oft nix bringen. Das mag sein. Spannend (und spannungsvoll) ist allerdings die These, warum so selten Lehrer die Initiative ergreifen und Eltern auf ihre Sprösslinge hin ansprechen:
Warum saufen Leute eigentlich soviel? Das Statistische Bundesamt die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen im Jahr 2008 veröffentlicht. SpOn berichtet heute:
Bei den Erwachsenen sieht das auch nicht viel besser aus: auch da wird mehr gesoffen. Dazu passt die Beobachtung, dass in unserem Heide-Hauptdorf jedes Stadtfest/Weihnachtsmarkt/Heideblüfest/Schützenfest eigentlich nur ein anderer Anlass ist, um Bierbuden aufzubauen und sich gepflegt die Kante zu geben. Bei eigentlich »geprägten« Sachen wie dem Weihnachtsmarkt wurden vor wenigen Jahren die Öffnungszeiten am Abend verlängert: damit die Bierbuden mehr Umsatz machen können. Die kleinen Händler machen ab 18.00 Uhr dicht, aber an den Zapfhähnen ist bis 22.00 Uhr »hoch die Tassen« angesagt. Selbst Feste mit einst eigener Prägung versumpfen nach 20.00 Uhr in Bierseligkeit. Warum sollte der Nachwuchs sich daran kein Vorbild nehmen? – so ist unsere Festkultur! So öde ist sie geworden. Aber natürlich ist vor allem der Jugendbereich der Böse – und schnell kommen Reflexforderungen wie diese:
So sinnvoll Prävention generell ist, so vernüftig Ausweiskontrollen, Aufklärung und dergleichen sind: dem Grund, warum so gerne so viel gesoffen wird, kommt man damit nicht auf die Schliche und wird das Problem so nicht eindämmen können. Meine These: je mehr der Leistungsdruck auf den Einzelnen steigt, je mehr Ventile werden gebraucht, um ihn abzubauen. Alkoholexesse sind ein solches Ventil. Ein schnelles und relativ billiges noch dazu. Ich pronostiziere einen weiteren Anstieg der jugendlichen Alkohol-Komasäufer in den nächsten Jahren. Geht mit dem Turbo-Abi ja grad erst richtig los, aber die 10/11jährigen, die gleich nach der Grundschule beweisen müssen, dass sie die Hoffnungen ihrer Eltern nicht enttäuschen, die haben wir ja jetzt schon (Niedersachsen hat vor kurzem erst die OS abgeschafft). Ganztagsschule verlangt ganztägig ein angepasstes Verhalten. Das schreit nach weiteren Möglichkeiten, die Sau raus zu lassen. Der Druck im Betrieb wird während der Wirtschaftskrise nicht weniger, die Chancen einen halbwegs erfüllenden Job zu bekommen und aus der Beschäftigungsmaßname raus zu kommen, wächst auch nicht. Irgendwo muß man den Frust ja abbauen. Und hey: besser Saufen als Amok laufen, oder? Wie gesagt: meine These. Ich vermute, es gibt noch einige andere Bausteine. Ergänzungen und Widerspruch willkommen. G8 und die Folgen: Bayrischer Lehrerverband und Elternvereinigung warnen vor »Burnout« bei Schülern an den Gymnasien. Man kann zwar zweifeln, ob damit tatsächlich medizinisch korrekter Burnout gemeint ist, aber es gibt ein Gefühl fürs Gemeinte:
Spannend ist dann die Forderung, die Abhilfe schaffen soll:
Weil die Schüler sowieso keine Zeit mehr für ein Leben außerhalb der Schule haben, können wir sie auch gleich den ganzen Tag zwangskasernieren, denn nur Schule weiß, was gut für Schüler ist. Am Besten noch bei gleichbleibender Lehrerdecke. Das macht auch viel mehr Sinn, als mal über Entschlackung von Lehrplänen, kleinere Klassen, mehr Lehrer, individuellere Förderung und vor allem eine Rücknahme von Abi in Klasse 12 nachzudenken… [BLLV via Lehrerfreund] |
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