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Die beste Platte der Welt (Soundtrack 1989)

»Disintegration ist das beste Album der Welt« (Kyle)

Natürlich dürfen The Cure in dieser Reihe nicht fehlen, obwohl sie IMHO 1989 schon knapp über ihrem Zenit waren. »Disintegration« war das Album, auf das wir alle gewartet haben, das mich dann aber doch vor allem enttäuscht hat. »Kiss me Kiss me Kiss me« von 1987 war ein unglaubliches Werk, vielfältig und eine Achterbahnfahrt der Gefühle: übermütige Popsongs (»Hot Hot Hot«, »Why can’t I be you«), manisch-depressive Teile (»The Kiss«, »Shiver and Shake«), sogar Lovesongs (»Just like Heaven«, »One More Time«) und ein trotziges ‘Trotzdem’ (»Fight«) als Abschluß. Dazwischen viele gute Songs, angenehm wenige Füller, zuviel für eine Vinylscheibe: ein Doppel-Album musste es sein, in knalligem Orange.

Im Vergleich dazu ist »Disintegration« ein recht homogenes Gebilde: sehr in Moll, ziemlich depri und musikalisch erschreckend gleichförmig. Ein ganzes Album für die Versöhnung mit den von »Kiss me…« verschreckten Schwarzkittel, die jetzt wieder einen Soundtrack hatten, um vom Weltschmerz gebeugt durchs Leben und über den Edelstahldancefloor im »Welcome« zu schlurfen. weiterlesen…

whens plane crash coming out (Soundtrack 1989)

Die Aufgerollten Autoteppiche. Oder so ähnlich. Anfang 1990 feierte ich Geburtstag und einige meiner Kumpels hatten denjenigen mit dem mutmaßlich innovativsten Musikgeschmack losgejagt, die zusammengelegten Märker in klingende Silberlinge zu verwandeln. Ich glaub, es waren drei CDs, und eine davon die brandneue Maxi-CD »This is how it feels« einer Band, von der ich bis dahin nur gelesen hatte (hey, das war noch vor Internet und Myspace). Mein Erstkontakt mit den Inspiral Carpets, der dazu führte, dass ich mittlerweile fast alle Alben und eine Reihe MaxiCDs mein Eigen nenne. Für mich eine der herausragenden Bands des Madchester-Hypes, die zwar kommerziell nie den großen Durchbruch schaffte, mit zwei sehr hörenswerten Alben (»Life« und »The Beast Inside«) und einigen wunderbaren Songs bis zur Auflösung 1995 aber den Hype ohne Gesichtsverlust überstanden hat. Seit einigen Jahren sind sie sogar wieder zusammen und Touren ganz erfolgreich durch UK.

Da dies hier aber die Serie über Songs aus dem »Mauerfalljahr ’89« ist, kommt hier auch erstmal mit »Move« ein Song von 1989. Großartige Musik. Grenzwertiges Video. Nach dem Klick gibts dann noch mehr…

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love, peace and harmony (Soundtrack 1989)

Was war nochmal der Auslöser für den Split der Smiths 1987? Richtig: Johnny Marr hatte den 60er-Jahre-Pop-Sound satt und liebäugelte mit Dance-Music. Vermutlich ist es Morrisseys pazifistischer Grundhaltung zu verdanken, dass Marr nicht als toter Disco Dancer endete, sondern einfach nur die Band verließ.

Nur wenig später braut sich in Manchester das nächte große Ding von der Insel zusammen: Indie-Gitarrenbands werden für den Dancefloor remixed bzw. entdecken tanzbare Grooves und bauen Songs draus. Indierock plus Acid House plus Ibizafeeling: fertig ist »Machester Rave« und wird ab 1989 auch diesseits des Kanals bekannt.

Die Happy Mondays sind als Ikonen dieser Zeit kaum zu überschätzen, wenn auch musikalisch durchaus mit limitierter Strahlkraft. Könnte aber auch an den vielen Pillen liegen, die Shaun Ryder & Co sich die meiste Zeit so einwarfen. Oben:  »Wrote for Luck«, in der Regel kryptisch als »W.F.L.« gelabelt, in einer mächtigen 7-Minuten-live-Version, die schon wegen der Nahaufnahmen der Raver ein Hingucker ist. Am Ende grüßt auch noch Tony Wilson.  Andere Frage: was machen die Kinder auf/vor der Bühne?

Don't leave it sitting or it'll turn brown (Soundtrack 1989)

Drei Server in Lettland sind jetzt vermutlich sehr traurig, dass sie keinen Spam mehr hier abwerfen dürfen. Sie landen im Fegefeuer der Firewall.
Gestern hat Antispam Bee ihr Praktikum hier begonnen und schon diversen Commentspam limboisiert.
Womit ein Problem vorerst erledigt wäre.

Um diesen Anlass würdig zu begehen, häng ich einen Klassiker der Tonkunst an: Weird Al Yankovic’s »Spam«, eine großartigen Parodie zu R.E.M.’s »Stand«, die tatsächlich dem Dosenfleisch huldigt und nicht den Phänomenen der Netzwelt. In Ermangelung eines offiziellen Clips gibt’s ein Fanvideo:

Meiner Erinnerung nach war Weird Al’s 1989er Album »UHF« (auch als Soundtrack zu dem dazugehörigen Yankovic-Film) hierzulande nur mit Glück im Handel zu bekommen. Der kleine Hype um »Fat« schon fast vergessen, »Smells like Nirvana« noch lang nicht in Sicht. Wie auf fast allen seinen Platten gab es auch auf dieser nur wenige Highlights: die Cover-Polka, die auf keinem Album fehlen durfte (hier: Rolling Stones-Songs) und eine handvoll Parodien, von denen hier aber auch nur zwei wirklich rausstechen: »She drives like crazy« (Fine Young Cannibals) – und eben »Spam«. Enjoy, if you have a can.

It's war, she cried, It's war, she cried (Soundtrack 1989)

Garstige Sache: die Welt bejubelt Glastnost und das nahe Ende des Kalten Krieges – und Matt Johnson spießt Friedenstauben auf Bajonette und macht daraus ein Plattencover. »Mind Bomb« – das 1989er Album seiner Band »The The« (sehr suchmaschinenunfreundlicher Name, btw)  - hatte als Opener »Armageddon days are here (again)« und prophezeite der Welt einen neuen, heißen Krieg:

»Islam is rising
The Christians mobilising
The world is on its elbows and knees
It’s forgotten the message and worships the creeds«

Hat hier jemand »Krieg gegen den Terror« gesagt?

Aber naheliegender: der erste Irakkrieg (bzw. zweite Golfkrieg), der 1990 mit dem Einmarsch Iraks in Kuwait begann und mit dem »Destert Storm« der US-geführten Koalitonsarmee endete. Nix mehr mit Eierkuchen. Oder wie And One kurz darauf sangen: »Aus der Traum

Ach ja: and the Guitar is played by Johnny Marr, der nach dem Smiths-Split 1987 in etlichen Bands und Alben seine Finger drin hatte und 1989 Mitglied von The The war, neben seiner eigentlichen neuen Hauptband Electronic.

Speak of a drowning… (Soundtrack 1989)

Man kann nicht sagen, man hätte nichts geahnt, gewusst oder gesagt bekommen. Man es vielleicht nicht geglaubt. Oder hören wollen. Dieser Song ist 20 Jahre alt. Klimawandel ist heute Popkultur, war aber damals schon in den Schlagzeilen, in den Charts und auf MTV – als dunkles Zukunftsgespenst. Heute sind wir ein paar Schritte weiter.

Bruce Cockburn – If a tree falls

»Cut and move on
Cut and move on
Take out trees
Take out wildlife at a rate of species every single day
Take out people who’ve lived with this for 100,000 years
Inject a billion burgers worth of beef
Grain eaters – methane dispensers«

Scratch your name on the walls of the cave (Soundtrack 1989)

Ich habe Wire nie als die Punkband kennengelernt, die sie mal waren, sondern zuerst so um 1987, als der Typ mit dem (auf unser Pampadorf bezogen) strangesten Musikgeschmack in meinem Bekanntenkreis mit »The Ideal Copy« um die Ecke kam. Nun, Wire waren auf Mute – und dank meiner damaligen Präferenz für die eine große Mute Band (Depeche Mode) ging fast alles von diesem Label irgendwie in Ordnung.

»A bell is a cup – until it’s struck« war schon eine große Platte. »It’s beginning to and back again« setzte nochmal einen drauf. Und seit dem haben die drei bis vier Herren auch nichts vergleichbares mehr produziert, auch wenn »Manscape« einige sehr geile Songs enthält.  IBTABA  ist ein ‘organisches’ Patchworkalbum. Ein Best-of-Live-Remix. Wire haben Live-Mitschnitte von Songs der letzten beiden Studioalben genommen, sie im Studio zum Teil bis auf die Drumtracks reduziert, mit Overdubs und Re-Recordings angereichert und daraus plus neuem Material ein Album gebaut. Normalerweise würde man denken, dabei kann nix gutes rauskommen, aber auf diesem Album funktioniert das fast immer und ergibt neue Perspektiven für bekannte Songs. Neben so etwas Großem wie die 25-minütige Dreieinigkeit von Illuminated/Boiling Boy/Over Theirs (super für Autobahnfahrten!) finden sich kompakte Popsongs wie In Vivo – oder eben auch Eardrum Buzz.

Viel Spaß beim Erkennen der Promis mit Finger im Ohr. Spontan sicher zuordnen konnte ich Vince Clarke (Depeche Mode, Erasure), Andy Fletcher (Depeche Mode), Ralf Dörper (Propaganda, Krupps), Bernard Sumner (New Order) und Björk.

Everything is gonna burn… (Soundtrack 1989)

Was liegt nach dem vorherigen Post näher, als einen Song von Doolittle für diese kleine Reihe zu nehmen. Auch wenn es abgenudelt ist: »Monkey gone to heaven« – veröffentlicht im März 1989 – ist a must für dieses Jahr. In unserer Heidedorfdisco lief eigentlich auch nie ein anderer Pixies-Song, außer wenn vll. grad mal Indie-Night war.

“Schrott und Gott” sind angeblich die Themen des Songs, also Umwelt und irgendein spiritueller Bezug, aber man muß aus den Lyrics nicht unbedingt schlau werden. Mir hat das Zahlenspiel mit der biblischen Zahlensymbolik immer gefallen, auch wenn man daraus vermutlich keine Erkenntnis ziehen kann, die einem irgendwie besser durch den Tag helfen würde. Rock me, Joe…

BTW: Was sagt es eigentlich über die deutsche Wikipedia aus, dass man kaum Beiträge zu wichtigen Songs oder Alben in ihr findet? Hmpf.

Something isn't happening here... (Soundtrack 1989)

Eine der Bands, die zu meiner Politisierung erheblich beigetragen haben, waren Latin Quarter. Ihr erstes Album “Modern Times” hab ich 1985 auf einem Schulausflug in Bremen erstanden, wo nach dem offziellen Teil noch ein Brinkmann Technikkaufhaus geentert wurde und die – nicht nur für Schüler aus einem Heidedorf – sehr gut sortierte Plattenabteilung mich und die Leute aus meiner Kleingruppe ertragen mußte. Wobei: ich glaub, eigentlich hatte die Platte ein Kumpel von mir gekauft, konnte die Platte aber nicht mit nach Hause nehmen, so dass ich sie auf Tape ziehen sollte und die Platte behalten konnte. Strange, so im Rückblick …

»Swimming against the Stream« erschien 1989° als erste Single zu ihrem dritten Album gleichen Namens. Von Latin Quarter durfte man das Anprangern von Mißständen und politischen Fehlentwicklungen erwarten, aber auf diesem Album war kaum noch Protest und die Wut, die Weltveränderung will, sondern Resignation darüber, dass man clevere Songs schreiben, sie auf Platten pressen und die Wahrheit laut herausbrüllen kann, but still: the world won’t listen. Und jene, die hörten und taten, waren auch nicht immer Grund zur Freude:

yet the anger draws more from frustration with creating, articulating and maintaining political movements that are anti-capitalist than from anger at a ‘world’ that somehow missed our genius (honestly!). And I really couldn’t keep on commenting on bleak political events, I began to feel like an ambulance chaser. (Mike Jones, 2005, bei der Katze mit Wut)

Im Frühjahr ’89 hab ich sie in Hannover live gesehen, in einem kleinen Laden, der AFAIR nicht annähernd voll war. Des Schwimmens gegen Strom müde und ohne den kommerziellen Durchbruch je geschafft zu haben, lösten sich Latin Quarter Anfang 1990 auf.

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You can’t elect a dream revolution (Soundtrack 1989)

»State of Mind« war im Herbst das erste musikalsiche Lebenszeichen von Ex-Marillion-Frontman Fish nach der Trennung von seiner Band. Und als Marillion-Fan hab ich natürlich zeitnah die Single gekauft, die Mitte Oktober 1989 raus kam. Glaubt man der Wikipedia, handelt der Song von der Resignation in den Bürgerrechtsbewegungen der spätern Thatcher-Jahre. Spricht einiges für.

Aber in diesen Wochen waren meine Assos zu »We, the people…« ganz andere. War kaum möglich, da an etwas anderes zu denken als die »Wir sind das Volk«-Rufe der Montagsdemos in Leipzig, die seit September wöchtentlich stattfanden.

We the people want it straight for a change
‘Cause we the people are gettin’ tired of your games
If you insult us with cheap propaganda
We’ll elect a precedent to a state of mind