fotoflut

Bømbøm @ HABC 2010Mele Kalikimaka @ MYA2009Sosch @ Markthalle 2005Blackvise @ MYA2008 (Freitag)

quartalsplatten

der frühe vogel…

Speak of a drowning… (Soundtrack 1989)

Man kann nicht sagen, man hätte nichts geahnt, gewusst oder gesagt bekommen. Man es vielleicht nicht geglaubt. Oder hören wollen. Dieser Song ist 20 Jahre alt. Klimawandel ist heute Popkultur, war aber damals schon in den Schlagzeilen, in den Charts und auf MTV – als dunkles Zukunftsgespenst. Heute sind wir ein paar Schritte weiter.

Bruce Cockburn – If a tree falls

»Cut and move on
Cut and move on
Take out trees
Take out wildlife at a rate of species every single day
Take out people who’ve lived with this for 100,000 years
Inject a billion burgers worth of beef
Grain eaters – methane dispensers«

Scratch your name on the walls of the cave (Soundtrack 1989)Scratch your name on the walls of the cave (Soundtrack 1989)

Ich habe Wire nie als die Punkband kennengelernt, die sie mal waren, sondern zuerst so um 1987, als der Typ mit dem (auf unser Pampadorf bezogen) strangesten Musikgeschmack in meinem Bekanntenkreis mit »The Ideal Copy« um die Ecke kam. Nun, Wire waren auf Mute – und dank meiner damaligen Präferenz für die eine große Mute Band (Depeche Mode) ging fast alles von diesem Label irgendwie in Ordnung.

»A bell is a cup – until it’s struck« war schon eine große Platte. »It’s beginning to and back again« setzte nochmal einen drauf. Und seit dem haben die drei bis vier Herren auch nichts vergleichbares mehr produziert, auch wenn »Manscape« einige sehr geile Songs enthält.  IBTABA  ist ein ‘organisches’ Patchworkalbum. Ein Best-of-Live-Remix. Wire haben Live-Mitschnitte von Songs der letzten beiden Studioalben genommen, sie im Studio zum Teil bis auf die Drumtracks reduziert, mit Overdubs und Re-Recordings angereichert und daraus plus neuem Material ein Album gebaut. Normalerweise würde man denken, dabei kann nix gutes rauskommen, aber auf diesem Album funktioniert das fast immer und ergibt neue Perspektiven für bekannte Songs. Neben so etwas Großem wie die 25-minütige Dreieinigkeit von Illuminated/Boiling Boy/Over Theirs (super für Autobahnfahrten!) finden sich kompakte Popsongs wie In Vivo – oder eben auch Eardrum Buzz.

Viel Spaß beim Erkennen der Promis mit Finger im Ohr. Spontan sicher zuordnen konnte ich Vince Clarke (Depeche Mode, Erasure), Andy Fletcher (Depeche Mode), Ralf Dörper (Propaganda, Krupps), Bernard Sumner (New Order) und Björk.

Everything is gonna burn… (Soundtrack 1989)

Was liegt nach dem vorherigen Post näher, als einen Song von Doolittle für diese kleine Reihe zu nehmen. Auch wenn es abgenudelt ist: »Monkey gone to heaven« – veröffentlicht im März 1989 – ist a must für dieses Jahr. In unserer Heidedorfdisco lief eigentlich auch nie ein anderer Pixies-Song, außer wenn vll. grad mal Indie-Night war.

“Schrott und Gott” sind angeblich die Themen des Songs, also Umwelt und irgendein spiritueller Bezug, aber man muß aus den Lyrics nicht unbedingt schlau werden. Mir hat das Zahlenspiel mit der biblischen Zahlensymbolik immer gefallen, auch wenn man daraus vermutlich keine Erkenntnis ziehen kann, die einem irgendwie besser durch den Tag helfen würde. Rock me, Joe…

BTW: Was sagt es eigentlich über die deutsche Wikipedia aus, dass man kaum Beiträge zu wichtigen Songs oder Alben in ihr findet? Hmpf.

Something isn't happening here... (Soundtrack 1989)Something isn’t happening here… (Soundtrack 1989)

Eine der Bands, die zu meiner Politisierung erheblich beigetragen haben, waren Latin Quarter. Ihr erstes Album “Modern Times” hab ich 1985 auf einem Schulausflug in Bremen erstanden, wo nach dem offziellen Teil noch ein Brinkmann Technikkaufhaus geentert wurde und die – nicht nur für Schüler aus einem Heidedorf – sehr gut sortierte Plattenabteilung mich und die Leute aus meiner Kleingruppe ertragen mußte. Wobei: ich glaub, eigentlich hatte die Platte ein Kumpel von mir gekauft, konnte die Platte aber nicht mit nach Hause nehmen, so dass ich sie auf Tape ziehen sollte und die Platte behalten konnte. Strange, so im Rückblick …

»Swimming against the Stream« erschien 1989° als erste Single zu ihrem dritten Album gleichen Namens. Von Latin Quarter durfte man das Anprangern von Mißständen und politischen Fehlentwicklungen erwarten, aber auf diesem Album war kaum noch Protest und die Wut, die Weltveränderung will, sondern Resignation darüber, dass man clevere Songs schreiben, sie auf Platten pressen und die Wahrheit laut herausbrüllen kann, but still: the world won’t listen. Und jene, die hörten und taten, waren auch nicht immer Grund zur Freude:

yet the anger draws more from frustration with creating, articulating and maintaining political movements that are anti-capitalist than from anger at a ‘world’ that somehow missed our genius (honestly!). And I really couldn’t keep on commenting on bleak political events, I began to feel like an ambulance chaser. (Mike Jones, 2005, bei der Katze mit Wut)

Im Frühjahr ’89 hab ich sie in Hannover live gesehen, in einem kleinen Laden, der AFAIR nicht annähernd voll war. Des Schwimmens gegen Strom müde und ohne den kommerziellen Durchbruch je geschafft zu haben, lösten sich Latin Quarter Anfang 1990 auf.

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You can’t elect a dream revolution (Soundtrack 1989)

»State of Mind« war im Herbst das erste musikalsiche Lebenszeichen von Ex-Marillion-Frontman Fish nach der Trennung von seiner Band. Und als Marillion-Fan hab ich natürlich zeitnah die Single gekauft, die Mitte Oktober 1989 raus kam. Glaubt man der Wikipedia, handelt der Song von der Resignation in den Bürgerrechtsbewegungen der spätern Thatcher-Jahre. Spricht einiges für.

Aber in diesen Wochen waren meine Assos zu »We, the people…« ganz andere. War kaum möglich, da an etwas anderes zu denken als die »Wir sind das Volk«-Rufe der Montagsdemos in Leipzig, die seit September wöchtentlich stattfanden.

We the people want it straight for a change
‘Cause we the people are gettin’ tired of your games
If you insult us with cheap propaganda
We’ll elect a precedent to a state of mind