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Kraftprobe bestanden

Hannelore Kraft ist neue Ministerpräsidentin von NRW. Hoffentlich klappt das mit der Minderheitsregierung – wenn ja, kann es gute Auswirkungen auf den politischen Stil hierzulande haben. Statt »basta« und Durchregieren mit sicheren Mehrheiten mal ein Ansatz, der Ausgleich und Konsens benötigt und bewirken könnte. Und vielleicht geht es mal weniger Parteifronten und mehr um Inhalte.

Seid ihr eigentlich alle verrückt?!

not my präsidentin (via fixmbr.de)

Kann man sich mal kurz über den Geisteszustand der Berliner Parteienlandschaft Gedanken machen? Der Rücktritt von Köhler: ok, dumm gelaufen. Nachvollziehbar, dass ein Präsident, der sich fortlaufend mehr zu einem Doppelgänger von Matthias Richling entwickelt, irgendwann nicht mehr die nötige Autorität für sein Amt hat. Schwamm drüber, shit happens, und immerhin hatte Bundeshotte damit etwas, das die Bundeswehr in Afghanistan nicht hat: eine Exit-Strategie – und die Möglichkeit, diese zum Einsatz zu bringen. Es sei ihm gegönnt.

Aber was jetzt? Man hört Vorschäge.  Die drei unglaublichsten, in der Reihenfolge der Unglaublichkeit:

3. Wolfgang Gehardt.

Der Unsympath von der FPD. Typ »stubenreiner Wadenbeisser«. Als Bundespräsident? Eine Integrationsfigur für’s Volk? Möglicherweise für alle? Einer Partei, die schon wieder an der 5%-Marke knabbert? Come on, meint ihr doch nicht ernst?

2. Margot Käßmann.

Rot-Licht-Gestalt von uns Evangelen. Irgendwann auch mal von mir geschätzt, muß zu Zeiten gewesen sein, bevor sie Bischöfin wurde oder kurz danach. Innerkirchlich ist sie nicht die reine Sympathieträgerin, als die sie gerne gemalt und medial wahrgenommen wird. In den letzten Einsparrunden ist mir von ihr der Satz im Ohr hängen geblieben, dass man quasi alles einsparen könne, solange im Pfarrhaus noch das Licht brennt – welch ein grenzwertig-gestriges, pfarrerzentriertes Verständnis von Kirche. Völlig unverständlich daher der öffentliche Weinkrampf der Mitarbeitervertretung in der Hannoverschen Landeskirche, die der Ex-Bischöfin in geradezu anbiedernd-peinlicher Weise nachweint. Warum grad eine evangelische Ex-Bischöfin Bundespräsidentin werden sollte? Was qualifiziert sie, außer dass sie auf einem irrationalen Beliebtheits-Hype dahingleitet? Liebe SPD, der Vorschlag kam doch aus euren Reihen: geht’s noch? Fragt doch lieber die Gesine nochmal.

1. Ursula von der Leyen.

Die Übermutti. Die Ernst-Albrecht-Tochter. Keifende, unsachliche, Lügen verbreitende Streiterin für Zensur im Internet. Demokratiedemontiererin. Zensursula. Hassfigur der Netzgemeinde. WTF?!!einself. Liebe CDU, brennt ihr? weiterlesen…

The poets turmoil No. 0815

Auf und ab im Lande werden neue Koalitionen geschmiedet. Und mir geht das selbstverblüffenderweise am Arsch vorbei. Am Abend der Bundestagswahl habe ich (anders als sonst) nur mit Mühe mein Interesse an der Wahlberichterstattung, an Interviews, Analysen und Wählerwanderungsdiagrammen aufrecht halten können, nachdem die erste Hochrechnung durch war. Realpolitisch war ja nichts mehr zu gewinnen. Eigentlich war nur noch zu klären:

  • bekommt die SPD die verdiente Watsche (und zwar sowohl für die großkoalitionäre Selbstverleugnung und dem schwarz-roten Verrat am rot-grünen Projekt als auch für die Erkenntnis, dass das einzige Projekt jener Jahre möglicherweise ein Ego-Projekt namens ‘Schröder’ gewesen sein könnte),
  • platzt die FDP vor Ego (mittleweile passiert),
  • sind NPDVUsw ausreichend weit am rechten Rand verschollen (fürs erste schon) und
  • schaffen es die Piraten vielleicht doch, trotz des ihnen eigenen Sinnes für anarchistische Ins-eigene-Knie-schiess-Aktionen, über den Ereignishorizont des Restebalkens hinaus zu kommen (gerade so eben).

Seit dem klar ist, was Sache ist, interessiert es mich kaum noch – und das erschreckt mich selbst, aber nicht genug, um mich zu beunruhigen. Klingt paradox, ist aber so. Es ist doch egal, wer Außenminister wird. Lärming Englisch with Guido? Pofalla for Arbeitsamt? Brüderle in die Wirtschaft? Guttenberg über alles oder für nichts? Resurrecting Genschman? Exhuming Adenauer? Endlich wieder flache Kalauer mit Graf Lambsdorff vs. GEM-Funktionen? Bleibt Schäublone oder Zensursula, wenn ja, als was? Jetzt schon staunen über die Pseudo-Erfolge in Sachen Bürgerrechte? Nein, ich glaub nicht dran. Mal wird man sich fremdschämen, nächstes Mal noch etwas mehr – und schon mal Fingerübungen machen für die Faust in der Tasche, die man braucht, wenns dann mal richtig weh tut. Aber bis dahin? Eine gute Jahreszeit für Winterschlaf jetzt, oder?

Am Wahltag, als noch quasi alles offen war, war mir unglaublich nach einem Song, den ich zwar kannte, aber nicht hatte und deshalb extra den mp3-Download der Amazonen bemühte, noch vor der Stimmabgabe, so zum in Stimmung kommen. »Shout to the Top« von den unverwüstlichen Style Council, eine Band, die ich in den letzten Wochen mal wieder aus den Tiefen der Sammlung geholt habe. Fühlte sich gut an, aber wie Frau Clark damals schon wusste, sind die Auswirkungen solcher Übungen auf das real life bescheiden. Wenn man zu schwarz-gelben Kohlzeiten politisiert worden ist und den Thatcherism hat über den Kanal winken sehen, passt das alles nur zu gut zusammen – und was kürzlich noch ein Gefühl im Bereich der Politnostalgie war, kommt auf einmal wieder ganz nahe.

Musikalisch hat der aktuelle Retrotrend die 1980er längst erreicht. Jetzt zieht die poltische Bühne nach. Aber wartet noch mit den Protestsongs, auch wenn Wolf Maahn und Klaus Lage schon vor den Toren der Pampa stehen. Mir ist zur Zeit nach was anderem.

»…the public gets what the public wants
but I want nothing this society’s got -
I’m going underground…«

»what you see is what you get
you’ve made your bed, you better lie in it
you choose your leaders and place your trust
as their lies put you down and their promises rust
you’ll see kidney machines replaced by rockets and guns«

Schwarzrot

CDU und SPD in Thüringen haben sich nach knapp zweiwöchigen Verhandlungen auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. (taz.de)

»Ich seh schwarzrot« hört sich gefühlsmäßig gar nicht gut an, so nach finstere Aussichten, gepaart mit Agression. :wink:

Gute Gelegenheit, mal wieder Marc-Uwe Kling mit seinem SPD-Song rauszukramen:

Come togehter, right now...

Die Rivalität zwischen Schröder und Lafontaine hat die SPD zerrissen. Schröder sonnte sich im Kanzlersein, drum herum wurde es einsam. Historische Bedeutung – ein Platz zwischen Brandt, Schumacher, Ebert – mäße ich dem zu, der die neue, gesamtdeutsche Linke zustande bringt.

… sprach Friedrich Küppersbusch@taz

Skype macht agressiv...

20 Tipps für das WG-Leben,  die auch andere Gruppungen von Menschen (Verein, Clique, Familie, Partei…) sich nutzbar machen könnten. Beispiel:

»3. Kommunikation I
Reden, reden, reden – und zwar persönlich! Kommunikation über Zettel oder Skype macht aggressiv, weil jegliches soziale Schmierfett wie Charme, Selbstironie oder entschärfende Themenwechsel nicht zum Einsatz kommt.«

Bis in die Hinterzimmer der SPD hat sich das offenbar noch nicht rumgesprochen. Reden, reden, reden und öfter mal an die Basis denken…