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Nichts bleibt für die EwigkeitNichts bleibt für die Ewigkeit

Heute ist Ewigkeitssonntag. Im Volksmund auch gerne »Totensonntag« genannt. Tatsächlich wurde in den Kirchen des Landes heute meist an die Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. In vielen den Gemeinden werden ihre Namen verlesen, aber der Blick soll nicht bei den Gräbern bleiben, sondern über den Tod hinaus in Richtung »ewiges Leben« gehen.

»Nichts bleibt für die Ewigkeit« trällerten dereinst die Toten Hosen. Im Angesicht von frischen Gräbern ist man aber vieleicht doch geneigt zu glauben, dass da irgendwas von dem Menschen bleibt, der jetzt nicht mehr da ist. Gibt es irgendein Leben nach dem Tod? Oder alles Wunschdenken? Wie kann man sich so ein Weiterleben vorstellen? Oder ist es besser, sich gar nichts vorzustellen?

Keine Distanz

Ein Verteidigungminister findet seine Rolle nicht. Das war mein erster Gedanke, als ich ihn vorhin in den Nachrichten sprechen sah, live vom Flughafen. Noch auf dem Rückweg nach Deutschland von Trauerbesuch Eins, ereilt ihn die Todesnachricht von vier weiteren deutschen Soldaten. Damit hier nichts mißverstanden wird: deren Tod ist tatsächlich schlimm, grausam, traurig.

Guttenberg fällt nichts anderes ein, als unter dem Eindruck der weiteren Toten am liebsten auf dem Absatz kehrt zu machen und den Soldaten in Kunduz beistehen zu wollen. Adel verpflichtet: der Kriegsherr steht seinen Vasallen bei, welch ein schönes Bild.

Fragen: Brauchen Soldaten überhaupt einen Minister, der schnell nochmal zum Händchenhalten vorbei kommt? Oder braucht vielmehr Guttenberg die Nähe zu den Soldaten? Zur eigenen Trauerarbeit?

Oder sogar zur eigenen Imagepflege? Sympahtiepunkte sammeln für die Wahlen, die anstehen?

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Minister, Minister, care for your children...Minister, Minister, care for your children…

Erst mit ein paar Tagen Verzögerung hab ich diese Worte° unseres KriegserklärungsVerteidigungsministers zur Kenntnis genommen:

Meine kleine Tochter, der ich meine Trauer zu erklären versuchte, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden seien, ob sie stolz auf sie sein dürfe. Ich habe beide Fragen, nicht politisch, sondern einfach mit ja beantwortet.

Der Mann ist clever.

Kinder gehen auch in der Politik immer. Privates öffentlich machen erhöht Sympathiewerte. Papa Guttenberg menschelt und trauert und wir sollen uns vorstellen, wie er unter Tränen seiner Tochter den Heldentod dreier Soldaten erklärt. Also drei Soldaten zu Helden erklärt. Und wir glauben ihm natürlich, dass er das überhaupt nicht politsch gemeint hat. Versteht ja seine Tochter noch nicht viel von.

Also, deutsche Jungs und Mädels: seid wieder stolz auf eure gefallenen Helden! Nehmt euch ein Vorbild an ihnen.

Oder was?

Bis vor ein paar Jahren hoffte man hier und da in den Kirchengemeinden des Landes, der unselige Volksttrauertag würde sich langsam aber sicher zu einer geriatrischen Veranstaltung entwickeln und im Laufe der Zeit von selbst erledigt haben. Die Heldengedenktafeln an die Gefallenen von Weltkrieg Eins, die in vielen Orten in Kirchen aufgestellt oder eingelassen wurden, könnten endlich verschwinden, damit wir nicht nur (um mal mit Micha 4 zu sprechen) den Krieg verlernen, sondern auch keinen Raum mehr für zweifelhafte Erinnerungskultur geben. Nie wieder Krieg, nie wieder Heldengedenken, nie wieder Kranzabwurfstellen.

Für die Übergangszeit wurden mancherorts andere Schwerpunkte gesetzt: ein Antikriegs-Gedenken. Ein Gedenken an die zivilen Opfer. Internationale Versöhnung der Kinder und Enkel an den Gräbern der Väter und Großväter. Und wenn schon Kränze für die Soldaten, dann auch einen Kranz und Erinnerung an die Opfer von Krieg und Terror, im hiesigen lokalen Fall zum Beispiel an die Toten der KZ-Züge auf der Heidebahn, deren Gräber sich unweit des Gefallenen-Mahnmals befinden.

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt jetzt den neuen Trend vor: wir haben wieder kriegsähnliche Helden. Es werden nicht die letzten sein. Der Volkstrauertag wird wieder ihrer. Man darf auf die Ansprachen im November gespannt sein.  Und bei jeder Trauerfeier vorher. Man wird gut hinhören müssen, wie diese Toten für welche Politik instrumentalisiert werden.

Unterdessen taucht gestern ein jovial-hemdsärmeliger Kriegsähnlichkeitsminister in Kunduz auf, enthüllt dort drei weitere Gedenktafeln und verspricht unter Applaus der Truppe mehr Kriegsgerät.

Böller statt Brot. Panzer statt Politik.

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Brad »Blogosphere« Graham verstorbenBrad »Blogosphere« Graham verstorben

Der Begriff »Blogosphäre« ist etwas aus der Mode gekommen, oder nehme ich ihn einfach nicht mehr so wahr?

Brad Graham gilt als »Erfinder« des Wortes »Blogosphere«, erstmals dokumentiert am 10. September 1999. Eigentlich eher scherzhaft gemeint, wurde es ab 2002 zu einem der Buzzwords der noch recht frischen Bloggerszene und darüber hinaus, um eben diese zu beschreiben. Er selbst bloggte seit 1998 und ist damit einer der Pioniere der social networks/web zwonull. Graham arbeitete als Journalist, Schauspieler, Regisseur und zuletzt als Publizist für das  Repertory Theatre of St. Louis.

Am Montag, dem 4. Januar 2010, ist er tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er wurde 41 Jahre alt.

Erschreckend jung, um eines ‘natürlichen’ Todes zu sterben.

Gefunden auf Samstag ist ein guter Tag. St. Louis News.

VolkstrauertagVolkstrauertag

35.000 Menschen bei einem Trauergottesdienst. Begräbnisstimmung in einem Stadion.

Applaus bei einem Begräbnis, weil kein anderes Mittel verfügbar und angemessen scheint, um seine Zustimmung und Anteilnahme auszudrücken. Wäre sowas in einer Friedhofskapelle oder am offenen Grab denkbar? Ich habe dafür noch nicht genug Begräbnisse miterlebt, aber dieses scheint sowieso alle Rahmen zu sprengen. Wie trauert man als Masse?

Viele Worte, denen man dringlich Wünschen würde, nicht nur Sonntagsrede zu bleiben. Theo Zwanziger, dem man am Ende gewünscht hätte, seine Worte doch aufgeschrieben zu haben, um nicht in Formulierungsnöte und somit ins Unkonkrete (»Zivilcourage«?) zu kommen.  Christian Wulff fand erstaunliche Worte, die ich ihm nicht zugetraut hätte; hoffentlich stammen sie nicht von seinem Redenschreiber. Stephan Weil, OB von Hannover, wäre vielleicht für seine Worte zu einem anderen Anlass belächelt worden:

Erfolg im Sport ist nicht das Wichtigste im Leben. Wir haben alle Angst und Furcht. Der eine mehr, der andere weniger. Der eine kann gut damit umgehen, der andere weniger. Dass Robert Enke Angst vor der Öffentlichkeit haben musste, das tut ganz besonders weh. Es wäre gut, wenn sein Tod helfen könnte, dass andere Menschen ihre Angst zeigen und sie nicht verstecken. Wer Angst zeigt, ist stark – nicht schwach.

Wir werden sehen, ob diese Worte irgendeine nachhaltige Wirkung verbreiten.

Die Straße, die an der Bahn entlang vom Umglücksort Eilvese zum Friedhof nach Empede verläuft, führt auch ins nach Himmelreich.

»Dein (Himmel)Reich komme, dein Wille geschehe…« Ein ebenso eindrucksvolles Zeichen wie der Applaus hätte ein lautes Vater Unser sein können, aber das fiel seltsam verhalten aus. Sollte das Gebet Jesu tatsächlich so unbekannt geworden sein? Darin geht es schließlich um Schuld und Schwächen vergeben. Um die Unvollkommenheit, das Angewiesensein und die Sehnsucht nach einer anderen, menschlicheren Welt. »… wie im Himmel, so auch auf Erden.« Aber das Himmelreich, so Jesus, gleicht einem Samenkorn: es lässt sich einpflanzen. Und wächst. Bringt Frucht.

Man hätte sich gewünscht, die Bildregie hätte Frau Enke weniger zeigen wollen.

Und Beckmann. Warum ausgerechnet Beckmann?