Das neue Album von PeterLicht ist seit einigen Tagen raus und ich hab es am Wochenende einige hundert Kilometer lang ungestört hören können. Der Mann macht musikalisch im Bandformat weiter und ist nach den zahlreichen pianodominierten Songs des letzten Albums »Melancholie und Gesellschaft« (2008) wieder etwas näher an den »Liedern vom Ende des Kapitapitalismus« (2006) dran, aber meilenweit von seinem bisher einzigen Radiohit »Sonnendeck« (2001) entfernt. Was nicht schlecht ist.
Zwei Songs sind live am Stück eingespielt worden und fallen ein wenig aus dem Rahmen: der Opener »Sag mir, wo ich beginnen soll« und das siebenminütige »Fluchtstück«. Ansonsten dominiert Pop in diversen Geschmacksrichtungen. Was natürlich nur musikalisch gemeint ist, denn was PeterLicht an Texten und Thesen um die Ohren haut, ist nicht ganz ohne. Der rote Faden dürfte die Spannung zwischen dem gelebten Leben und dem anderen, ungelebten Leben sein, die Frage nach der Flucht aus dem einen in das andere oder alternativ die Aufforderung: »Du mußt dein Leben ändern« mit dem dicken Fragezeichen an der Stelle, welches Leben denn das änderungswürdige wäre. Klappe halten, Leben ändern?
Du Du Du Du
Du und Dein Leben
Ihr beide müsst Dein Leben ändern
Womit nebenbei auch gesagt ist, dass zu dieser Änderung mindestens zwei gehören. Nicht nur die Hölle, sondern das sogenannte »eigene« Leben sind irgendwie doch immer auch die anderen: Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären. Denen wir uns aber weiterhin breitwillig auf dem Zuckerberg selber opfern und unser Fleisch und was sonst noch von uns übrig ist zu Markte tragen. Haben wir eine Alternative?
Erschreckenderweise gibt es wohl Menschen, die »Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses« als Pro-Post-Privacy-Soundtrack verstehen und zur Facebook-Hymne erheben wollen. Ok, nicht jedem muss ein Licht auch aufgehen, wenn man ihn hört. Ist vielleicht ein Kollateralschaden der Generation Comedy, dass man Ironie nur bemerkt, wenn sie mit dem Holzhammer daherkommt. Wer allerdings auch zwischen den Zeilen lesen kann, ist bei dem suversiven Pop von PeterLicht gut aufgehoben.


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