Es ist doch immer schön, wenn sich Firmen für den Umweltschutz engagieren. Wenn dann auch noch ein WWF-Label drauf ist, sollte doch fast alles gut sein, oder?
Diese Woche war ich seit Monaten mal wieder in einem dieser lustigen möblierten Schwedenhäuser und wunderte mich über nebenstehendes Plakt (Klick macht groß):
aus der UNENDLICHEN Liste – Entwicklung #67
So viele Teelichte …
Wusstest du, dass man die leeren Teelichtbehälter aus Aluminium wiederverwerten kann und dabei 96% weniger Energie verbraucht wird, als bei der Neuproduktion?
(…)
Wir sammeln die Teelichtbehälter, bringen sie zum Entsorger und spenden den Erlös den Grundschulen der Gemeinde Stuhr Brinkum.
Danke für deine Mithilfe.
Liebe Ikeas, ihr leidet ganz offensichtlich unter Umwelt-Alzheimer. Noch vor einigen Jahren hattet ihr Teelichter OHNE Aluhülsen im Angebot. Und dazu passend: Teelichtbehälter aus Glas. Wusstet ihr schon, wie unglaublich umweltfreundlich das ist, wenn man das Alu einfach weg lässt?
Ich kenne viele, die beides damals zahlreich gekauft haben. Waren wohl nicht genug. Ihr habt es aus dem Sortiment gekickt. Wie üblich, ohne dass irgendjemand in euren Läden wüsste, warum. Ihr erwartet tatsächlich, dass eure Kunden nicht besseres zu tun haben, als körbchenweise Alublech in eure Läden zurückzubringen? Und es bis dahin über Monate in ihren Wohnungen zu sammeln? Und das preist ihr ernsthaft a) als Beleg für eure Umweltfreundlichkeit und b) als soziales Engagement für Grundschulen an?
Um den Sibirischen Tiger steht es nicht gut: er ist vom Aussterben bedroht. Eine russische Kampagne versucht, die Bevölkerung für die Bedrohung dieser Tierart zu sensibilisieren. Mit nicht besonders sensiblen Mitteln: bei der Anprobe eines T-Shirts wird der Kunde virtuell erschossen. Offenbar aber mit Erfolg. (via)
… wurde nicht verschoben: Trotz Sperre und Verbot hat sich die Demo in ihrer Eigendynamik einfach auf den Stufen vor dem Reichstag niedergelassen. War vielleicht auch besser so: Die Menschenmassen hätten vor dem Hauptbahnhof (wo die Abschlußkundgebung stattfand) gar nicht alle Platz gefunden. So gegen fünf, als die Demo schon längst hätte zu Ende sein sollen, kamen noch immer Leute mit dem Demonstrationszug auf den Platz. Die Polizeikräfte sperrten zwar die direkte Auffahrt zum Reichstag und den Eingangsbereich ab, schauten aber ansonsten dem Treiben zu. Bis zum Hauptbahnhof haben wir uns gar nicht mehr auf den Weg gemacht. Ob nun tatsächlich 100.000 Leute da waren, wie die Veranstalter behaupten? Es waren auf jeden Fall viele und wohl wesentlich mehr als erwartet. Schauen wir mal, ob das reicht, um noch Einfluss auf die aktuelle Gesetzgebung zu nehmen.
In Hannover streitet man sich ja derzeit wieder um den Sinn und Unsinn von Umweltzonen und Feinstaubbelastung in den Innenstädten. Sei ja alles gar nicht so schlimm, kostet nur Geld und überhaupt…
Wie tödlich Luftverschmutzung sein kann, dröselt Christian Reinboth in einem Bericht über den »Killer Fog« auf, der in 1952 in London 12.000 Menschenleben innerhalb weniger Tage kostete – fast halb so viele wie während der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges. Eine fast vergessene Katastrophe:
Zwischen dem 5. und dem 9. Dezember des Jahres 1952 hing ein Nebel über London, der so dicht war, dass er 4.000 Menschen das Leben kostete. Weitere 8.000 Einwohner der Stadt starben an den Spätfolgen, nachdem sich der Smog wieder verzogen hatte.
Dies ist die Geschichte einer der schlimmsten Umweltkatastrophen, die sich in Europa je ereignet haben. Obwohl dabei tausende Menschen ihr Leben ließen, weiß heute kaum noch jemand etwas über den „Great Smog of London”. Die Katastrophe wurde verharmlost, verschwiegen, beschönigt und sogar romantisiert.
In einem deutschen Naturschutzgebiet darf ein Ölkonzern mit staatlicher Genehmigung nach Öl und Gas suchen und dabei das Überleben einer bedrohten und geschützten Tierart gefährden, die dazu noch die einzige ihrer Art hierzulande ist.
Klingt irgendwie, als müsste man da auf die Barrikaden gehen. Zumindest hellhörig werden.
Immerhin geht es nicht um irgendwelche kleinen Kröten, sondern trotz ihres Namens ziemlich große Tiere: Schweinswale werden etwa 1,80 m groß und sind Deutschlands einzige Walart. Auf der Doggerbank in der Nordsee, von der ein Stück zu Deuschland gehört, haben sie ein Refugium – gehabt:
Die Explorationsarbeiten von Wintershall verursachen einen infernalischen Lärm, der für Meeressäuger tödlich sein kann”, warnen NABU Schleswig-Holstein, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD). (…) Bei der Erdgassuche feuern 62 Druckluftpulser von Schiffen aus alle sieben Sekunden einen lauten, explosionsartigen Knall ab, der über den Wasserkörper tief in die Erdkruste eindringt. Aus dem reflektierten Schall hoffen Geophysiker ablesen zu können, wo sich Erdgaslagerstätten befinden. Die Lautstärke von teils über 260 dB kann bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen, in unmittelbarer Nähe wirkt der Schall tödlich.
Bereits 2007 wurden die Untersuchungen trotz Protesten und Gegengutachten genehmigt – von Leuten, die möglicherweise nicht ganz so viel davon verstehen, was sie da eigentlich genehmigt haben:
Es gab ein Gutachten, das von der Ölfirma in Auftrag gegeben worden war und besagte, es könne dort ohne Probleme eine seismische Untersuchung stattfinden. Ein Gutachten vom Bundesamt für Naturschutz besagte das Gegenteil. Die Doggerbank war zu der Zeit bereits zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Vor unserer Haustüre war extra ein Schutzgebiet für Schweinswale ausgerufen worden, immerhin unsere einzige einheimische Walart. (…)
In Deutschland ist es so, dass alles, was mit Bergbau zu tun hat, vom Bergamt nach Bergrecht beschieden wird. So wurde die Genehmigung erteilt. Das ist ein echter Skandal.
Das letztere Zitat stammt von Dr. Karsten Brensing, einem Meeresbiologen, der gestern abend bei der NDR-Talkshow »Tietjen und Hirschhausen« zu Gast war (das Zitat selber stammt aus einem anderen Interview, aber vom Inhalt hat er ähnliches erzählt).
Neben den Untersuchungen, die seit 2007 stattgefunden haben, ist generell Lärm in den Ozeanen ein Problem: Blauwale können sich bis zu 1000 km verständigen, auch wenn das dann nur ein »hallo hier bin ich« meint, aber im großen weiten Meer kann das schon eine sehr nützliche Info sein, wenn man nach einem paarungswilligen Gegenüber sucht. Lärm von Schiffen, Sonar und dergleichen reduziert diesen Kommunikationsradius ganz erheblich. Man vermutet, das Desorientierung durch Lärm zu den häufigen Strandungen von Walen und Delphinen führt und zur Abnahme der Blauwalpopulation.
Traurigerweise findet man zu der gesamten Thematik, insbesondere zu der Doggerbank-Sache, kaum irgendwas in der deutschen Bloglandschaft, von Naturschutz- und Taucherblogs vll. mal abgesehen. Google’s Blogsuche findet zum Thema “Doggerbank Wale”: nichts. Google ganz allgemein findet zu dem Thema die üblichen Verdächtigen wie Greenpeace, WWF und diverse Schutzgruppen, aber erstaunlich wenig journalistische Berichte, von Ausnahmen wie der Berliner Zeitung und einer Randnotiz in der tageszeitung mal abgesehen. Fritz von 11k2 hat vor einigen Monaten was allgemeines zur Lärmverschmutzung geschrieben, zu dem Thema siehts auch allgemein etwas besser aus.
Da bloggt man über allen möglichen Stylescheiß, Gadgets, Musik, Twitterkalender… Aber so was geht über zwei Jahre lang völlig an einem vorbei, trotz fast täglichem Blog- und Newskonsum.
Ein Grund, warum besagter Karsten Brensing durch die Talkshows tingelt: Die Doggerbank-Thematik wurde in einen »Ökothiller« verpackt, der am 3. und 4. Januar 2010 mit den üblichen Verdächtigen (Veronika Ferres und Mario Adorf in den Hauptrollen) im ZDF zur besten Sendezeit läuft: »Das Geheimnis der Wale« verlegt den Ort des Geschehens von der Nordsee an die klimatechnisch angenehmeren Küsten vor Neuseeland, natürlich mit schmonzettiger Rahmenhandlung. Brensing hat am Drehbuch mitgewirkt und wissenschaftlich beraten.
Man muß solche Filme ja nicht mögen, aber wer vorm Jahreswechseln noch ne gute Tat offen hat: das wär mal nen Thema, was zu pushen sich lohnen würde. Egal, ob mit oder ohne Film.
Man kann auch einfach auf diese Webseite hinweisen: www.wale.org
Dort auch eindrückliche Klangbeispiele von Meeresgeräuschen der unangenehmen Art und Hintergrundinfos zu Film und Fakten.